Schicksal soll sichtbar werden: DÖW forscht zu Nisko-Deportationen

Das Schicksal der 1939 deportierten Wiener Juden soll sichtbar werden.
Das Schicksal der 1939 deportierten Wiener Juden soll sichtbar werden. ©APA/ROBERT JAEGER (Sujet)
Unter dem Titel "Nisko 1939: Online-Edition zur ersten Massendeportation aus Wien" startet das DÖW am 1. November ein einjähriges Projekt. Damit soll das Schicksal der deportierten Wiener Juden sichtbar gemacht werden.

Am 1. November startet das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) ein einjähriges Projekt mit dem Titel "Nisko 1939: Online-Edition zur ersten Massendeportation aus Wien". Ziel ist die Erschließung von neuen Quellen zur Nisko-Aktion sowie das Sichtbarmachen des Schicksals der fast 1.600 deportierten Männer.

Nach Wien zurück: DÖW legt Fokus auf Rückkehrer

Fokussiert wird dabei auf jene Personen, die im Lager untergebracht waren und nach dessen Schließung nach Wien zurückgekehrt waren. Von den Toten und Überlebenden, die in die Sowjetunion vertrieben wurden, sind bisher erst wenige Namen bekannt. Deren Erforschung obliegt einem künftigen Forschungsprojekt des DÖW, das in Kooperation mit in- und ausländischen Forschungseinrichtungen durchgeführt werden soll.

Um Biografien der Betroffenen erstellen zu können ist das DÖW neben Recherchen in österreichischen und ausländischen Archiven auch darauf angewiesen, Fotos, Briefe, Dokumente von Angehörigen, Bekannten und Freunden zu bekommen, hofft Projektleiterin Claudia Kuretsidis-Haider auf neue Informationen und Unterlagen.

DÖW: Frei zugängliche Online-Dokumentenedition soll entstehen

Kern des Projekts ist die Erstellung einer frei zugängliche Online-Dokumentenedition zu den bisher einer breiten Öffentlichkeit in Österreich kaum bekannten Deportationen nach Nisko. Diese wird in Zusammenarbeit mit der vom FP7/Horizon 2020 der Europäischen Union finanzierten Forschungsinfrastruktur European Holocaust Research Infrastructure (EHRI) erstellt.

In einem Buch hat der 2011 verstorbene Historiker Jonny Moser die Verbrechen dargestellt: "Nisko - Die ersten Judendeportationen", dieses ist nach seinem Tod im Jahr 2012 von seinen Söhnen veröffentlicht worden. In einem "profil"-Interview sagte Moser: "Ich selbst habe gesehen, wie sich gegenüber unserer Wohnung in der Mohrengasse Männer mit Rucksäcken nach Nisko verabschiedeten. Im Frühjahr 1940 erfuhr man dann, dass einige von ihnen zurückgekommen waren. Man hörte aber nicht viel, denn sie wurden gleich in Arbeitslager weiterverschickt". Moser selbst überlebte den Holocaust in Ungarn. "Nisko war der Beginn der Shoah, denn die meisten der damals Deportierten haben nicht überlebt." Sie wurden von der SS über die sowjetische Linie vertrieben und zum Teil nach Sibirien verschleppt. Oder sie fielen nach dem Einmarsch der Deutschem 1941 den SS-Einsatzgruppen zum Opfer.

(APA/Red)

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