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Schau "Der Wiener in China" im Jüdischen Museum

Das Jüdische Museum Wien beleuchtet die Geschichten von 22 Exil-Familien.
Das Jüdische Museum Wien beleuchtet die Geschichten von 22 Exil-Familien. ©Jüdisches Museum Wien
Während des Zweiten Weltkriegs entstand in Shanghai ein Little Vienna, das für einige Jahre Donauflair in die östliche Metropole brachte. Eine Schau im Jüdischen Museum widmet sich nun den Exilanten aus Österreich.

Ein Little China ist im Westen vielfach Bestandteil des urbanen Lebens. Dass es einst auch ein Little Vienna in China gab, ist heute jedoch vergessen. In Shanghai entstand 1938 ein Viertel jüdischer Wiener, die vor den Nazis nach Asien geflohen waren und in die quirlige Hafenmetropole im Mündungsgebiet des Jangtsekiang für einige Jahre Donauflair mit einem Weißen Rössl oder einem Cafe Fiaker brachten. Das Jüdische Museum in Wien lässt diese Zeit nun aufleben.

Little Vienna in China: Das Jüdische Museum ehrt die Shanghailänder

"Die Wiener in China. Fluchtpunkt Shanghai" nennt sich die von Direktorin Danielle Spera gemeinsam mit Daniela Pscheiden kuratierte Schau, in der Besucher von einer Rikscha und schwebenden Dschunken samt einem Panorama der Uferpromenade Bund empfangen werden. Ein kleiner Eindruck, welche Impressionen die rund 6.000 aus Österreich stammenden Exilanten hatten, wenn sie nach meist wochenlanger Überfahrt oder in selteneren Fällen noch längerem Landweg in einer Stadt der sozialen Gegensätze landeten.

Shanghai war als internationale Sonderzone theoretisch auch ohne Visum zu bereisen. Zugleich stellte der Generalkonsul Chinas in Wien, Feng Shan Ho, aber auch Visa aus, die von den deutschen Behörden, die Ausreisepapier verlangten, akzeptiert wurden. So kam es, dass Tausende jüdischer Mitteleuropäer im subtropischen Klima und einem ihnen vollends fremden Kulturkreis landeten.

Schau zeichnet Weg der Exilantengruppe nach

Umzugskisten bilden in der umfangreichen Schau des Jüdischen Museums denn auch die Unterlage für die Ausstellungsvitrinen, in denen der Weg dieser besonderen Exilantengruppe nachgezeichnet wird. Pars pro toto werden die Geschichten von 22 Wiener Familien beleuchtet. "Es war wie ein Schneeballsystem - eine Familie hat uns zur anderen geführt", erinnerte sich Spera am Dienstag vor Journalisten an den Rechercheprozess. Verschiedene Kapitel widmen sich nun Aspekten wie den Heiraten vor Ort und der Erziehung, der medizinischen Versorgung oder den Medien, erschienen doch rund 30 Zeitungen respektive Zeitschriften, die von den Exilanten gestaltet wurden.

Denn trotz der anfänglichen Unbilden etablierten die Neuankömmlinge alsbald in einigen Straßenzügen des Viertels Hongkew "Little Vienna", in dem sich das Restaurant Zum Weißen Rössl oder das vom einstigen Impresario Hans Jabloner, dem Vater des späteren Verfassungsgerichtshofpräsidenten Clemens Jabloner, geführte Cafe Fiaker ebenso fanden wie Würstelstände oder Heurigen. Und nicht zuletzt belebten Künstler wie der Schauspieler Fritz Heller mit Theaterabenden das Areal.

Von langer Dauer war diese verhältnismäßig friedliche Phase jedoch nicht, verschlechterten sich die Rahmenbedingungen für die Shanghailänderinnen und Shanghailänder, wie sich die Angehörigen der Exilgemeinschaft selbst nannten, doch zusehends, als die Japaner 1941 die Stadt einnahmen. Auch wenn die japanischen Behörden dem Drängen der Deutschen nach Einrichtung eines Ghettos nur langsam nachkamen, wurde 1943 eine "Designated Area" im Stadtviertel Hongkew eingerichtet, in welcher sich die neu ansässigen Juden aufhalten mussten.

Nach dem Krieg kehrte der überwiegende Teil der Shanghailänder ihrer Kurzzeitheimat wieder den Rücken. Die überwiegende Mehrheit emigrierte nach Israel oder in den angelsächsischen Raum, einige Hundert Betroffene kehrten jedoch auch wieder nach Wien zurück. Nur die wenigsten blieben in China, so etwa Jakob Rosenfeld, der als glühender Kommunist später Gesundheitsminister unter Mao wurde. Die Geschichte von Little Vienna war somit wenige Jahre nach 1945 endgültig zu Ende.

(APA/Red)

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