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Scharfe Kritik an "Krone" - "Foto von toten Flüchtlingen ist unentschuldbar"

Das in der "Krone" veröffentlichte Foto gab den Blick ins Innere des Lkw frei.
Das in der "Krone" veröffentlichte Foto gab den Blick ins Innere des Lkw frei. ©APA
Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsdrama auf der A4 gibt es heftige Kritik an einem von der "Kronen Zeitung" veröffentlichten Foto der toten Flüchtlinge. Die Veröffentlichung wird auch ein Fall für den Presserat. Die "Krone" selbst verteidigte sich. Das Foto zu bringen sei eine gemeinsame Entscheidung der Chefredaktion gewesen.
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Leser des Boulevardblattes zeigten sich am Freitag beim Aufschlagen der Zeitung entsetzt: Auf Seite 3 war ein Bild der toten, zusammengepferchten Körper auf der Lkw-Ladefläche zu sehen.

Presserat: “Veröffentlichung ist unentschuldbar”

Beim Presserat sind Freitagvormittag bereits fünf Beschwerden gegen die “Krone” eingelangt. Andreas Koller, Sprecher eines der Senate im Presserat sowie Vertreter der Initiative Qualität im Journalismus: “Ich halte diese Fotos für unentschuldbar. Ich will nicht eine allfällige Entscheidung des Presserats vorwegnehmen, aber Faktum ist, dass Tote auch dann, wenn es sich um Flüchtlinge handelt, Anspruch auf Achtung ihrer Würde haben. Daher ist es inakzeptabel, sie nach ihrem grausamen Tod aus purer Lust an der Sensation im Zeitungsboulevard zur Schau zu stellen”, erklärte der Innenpolitik-Chef der “Salzburger Nachrichten” am Freitag gegenüber der APA.

“Krone” wollte angeblich “Dramatik” zeigen

Laut “Krone” zeige das veröffentlichte Foto “die Dramatik des Todeskampfes von Männern und Frauen im Laderaum ohne Sauerstoff”. In den sozialen Netzwerken entbrannte nach der Veröffentlichung rasch eine Diskussion darüber, ob Medien solche Fotos zeigen dürfen. Auch bei den Behörden selbst ist das Bild Thema. Es dürfte entstanden sein, als Polizisten den Laderaum des Transporters öffneten. Ob dies im Zuge der Amtshandlung oder extra für einen “Krone”-Fotografen geschah, wird derzeit noch untersucht.

Foto von toten Flüchtlingen mit Polizeihilfe?

Bei den Polizeibehörden und im Innenministerium wird die Veröffentlichung des Fotos jedenfalls nicht gern gesehen. Man werde dem nachgehen, wie es dazu kam, sagte Innenministeriums-Sprecher Alexander Marakovits zur APA. Unklar war am Freitag noch, ob es sich um ein weitergegebenes Polizeifoto handle oder auf anderem Weg zustande kam. Laut Marakovits war ein “Hineinfotografieren” in den Lkw nur am Beginn möglich, als die Polizisten erstmals den Laderaum öffneten. Danach sei die Tür immer nur so weit geöffnet worden, dass kaum etwas zu sehen war. “Klar ist, dass die Aufarbeitung des Falles selbst die höchste Priorität hat. Aber wir kümmern uns auch darum, wie die Veröffentlichung des Fotos zustande kam”, sagte der Sprecher.

“Offensichtlich besteht hier eine Komplizenschaft zwischen den Sicherheitsbehörden und der ‘Krone’. Diese Form der ‘Öffentlichkeitsarbeit’ ist widerwärtig”, so Presseratsmitglied Koller. Die Allianz zwischen der größten österreichischen Tageszeitung sowie Polizeibehörden und Innenministerium sorgt seit vielen Jahren für Diskussionen. Die “Krone” erhält regelmäßig bevorzugten und exklusiven Zugang zu Polizei-Infos, im Gegenzug gibt es publizistische Unterstützung für die Innenminister und immer dann, wenn die Polizei mit öffentlicher Kritik konfrontiert ist.

“Krone” weist Kritik an Todes-Bild zurück

“Das Foto zu bringen war eine gemeinsame Entscheidung der Chefredaktion”, verteidigte Krone-Multimedia-Chefredakteur Richard Schmitt die Veröffentlichung gegenüber der Tageszeitung “Der Standard”.

Beim Österreichischen Presserat sind unterdessen wegen des Fotos bis Freitagnachmittag bereits an die 30 Beschwerden eingegangen. Schmitt, der auch als Berater von “Krone”-Herausgeber Christoph Dichand fungiert, wies diese zurück. “Die Gesichter der Todesopfer sind nicht zu sehen, die Identität somit geschützt. Bei einer Tragödie dieses Ausmaßes muss eine entsprechende Bebilderung möglich sein.” Medien wie “Bild” oder “Le Monde” hätten darüber hinaus bereits um Übermittlung des Fotos ersucht, so Schmitt zum “Standard”. (red/APA)

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