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Amnesty: Saudischem Blogger Badawi drohen durch Auspeitschung Dauerschäden

Trotz internationaler Kritik droht Badawi die nächste Tranche an Stockschlägen.
Trotz internationaler Kritik droht Badawi die nächste Tranche an Stockschlägen. ©APA (Themenbild)
Vor drei Wochen wurde Raif Badawi erstmals öffentlich mit Stockhieben bestraft - an diesem Freitag könnte die Tortur in eine neue Runde gehen. Dem saudi-arabischen Blogger drohen nach Angaben von Amnesty International gesundheitliche Langzeitschäden, falls er seine Reststrafe von 950 Stockhieben verbüßen muss. Indes appelliert die Frau des Verurteilten in einem Interview an die saudische Regierung, Gnade walten zu lassen.

Dies könne dauerhafte Lähmungen und psychische Schäden verursachen, gaben Mediziner in einem am Donnerstag von der Menschenrechtsorganisation veröffentlichten Bericht zu bedenken.

“Je mehr Schläge aufeinanderfolgen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich Wunden öffnen”, sagte Juliet Cohen, Ärztin bei der britischen Medizinervereinigung “Freedom from Torture”, in dem Amnesty-Bericht. Die offene Haut sorge nicht nur für erheblich höhere Schmerzen, sie vergrößere auch die Gefahr von Infektionen. Auch die Wundheilung verzögere sich dadurch zunehmend.

Zehn Jahre Haft und 1.000 Stockschläge für Blogger

Der heute 31-jährige Internet-Aktivist Badawi war im Mai vergangenen Jahres zu zehn Jahren Haft, einer Geldstrafe und insgesamt 1.000 Stockschlägen verurteilt worden, weil er im Internet den Islam beleidigt haben soll.

Badawi droht am Freitag Fortsetzung der Auspeitschung

Die ersten 50 Schläge erhielt er vor drei Wochen in Jeddah. Danach setzte die Vollzugsbehörde die Prügelstrafe zweimal aus “gesundheitlichen Gründen” aus. Gemutmaßt wurde jedoch, es könnte sich um einen Versuch Riads handeln, einen gesichtswahrenden Ausweg aus der Affäre zu finden.

Am morgigen Freitag könnten neue Schläge folgen. Es wird sich weisen müssen, wie der neue saudi-arabische Machthaber, Salman bin Abdelasis, auf die internationalen Proteste reagiert.

BRITAIN SAUDI ARABIA BLOGGER PROTEST
BRITAIN SAUDI ARABIA BLOGGER PROTEST ©EPA

Badawis Ehefrau bittet um Gnade

“Mein Mann hat niemals etwas gegen den Islam oder irgendeine andere Religion gesagt oder geschrieben”, sagte Ensaf Haidar der Wochenzeitung “Die Zeit” und dem Berliner “Tagesspiegel” (Donnerstagausgabe) in einem Gespräch. Er habe immer nur die “Männer der Religion” in Saudi-Arabien kritisiert, die den Islam für ihre Zwecke ausnutzen würden.

“Seine Visision ist eine liberale Gesellschaft”

“Seine Vision ist eine liberale Gesellschaft, die auf einem friedlichen Zusammenleben aller Mitglieder fußt.” Laut Haidar, die mit den drei gemeinsamen Kindern in Kanada Zuflucht fand, wird der Kontakt zu Raif Badawi von den saudischen Behörden stark reglementiert. Auch Anwälte würden ihn aus Angst nicht vertreten wollen.

Internationaler Aufschrei – Kritik an schweigendem Abdullah-Zentrum

Die Strafe war international massiv kritisiert worden. In Österreich hatte der Fall Badawi der seit Monaten schwelenden Diskussion über das von Saudi-Arabien finanziete König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog in Wien neue Nahrung gegeben. Das Zentrum hatte sich geweigert, die Bestrafung Badawis zu kritisieren und geriet dadurch selbst massiv in die Kritik. Das KAICIID verteidigte sein Schweigen im Fall Badawi in einer Aussendung damit, dass es seine “Unparteilichkeit” im Dialog der Religionen nicht gefährden wolle. “Wir sind Mediatoren, Moderatoren und Förderer im interreligiösen Dialog. Wenn wir rufen, sollen alle kommen – auch Staaten, die das Schariarecht anwenden.”

Das Abdullah-Zentrum steht wegen der eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien bereits seit seiner Gründung im Jahr 2011 in der Kritik. Es geht auf eine gemeinsame saudisch-spanische Initiative zurück und wird vom Vatikan und Österreich mitgetragen.

Mahnwachen in Berlin und Wien

Vor der Botschaft Saudi-Arabiens in Berlin protestierten bereits am Donnerstag Menschenrechtler mit einer Mahnwache gegen die Prügelstrafe für Badawi. Rund 50 Menschen folgten dem Aufruf von Amnesty International, wie die Organisation mitteilte. Sie hielten Banner und Plakate hoch und riefen Parolen wie “Meinungsfreiheit ist ein Menschenrecht” und “Freiheit für Raif Badawi”.

In Wien haben die Grünen für Freitag, 10 Uhr, vor dem Abdullah-Zentrum eine Mahnwache angekündigt. “Leider haben wir Informationen, dass die Zeichen derzeit nicht auf Veränderung stehen. Trotz Badawis angeschlagenem Gesundheitszustand soll es erneut zu einer Auspeitschung kommen”, so die Grünen diesbezüglich in einer Aussendung. (APA/red)

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