Saudis nach Treffen mit Bush enttäuscht

Die saudische Führung ist mit dem Ergebnis des Treffens von Außenminister Prinz Saud el Feisal und US-Präsident George W. Bush nicht zufrieden.

Der Minister zeigte sich nach dem Gespräch in Washington am Dienstag “enttäuscht” über die Weigerung der USA, die für geheim erklärten Teile des jüngsten Kongress-Terrorismusberichts mit Vorwürfen gegen Riad zu veröffentlichen.

„Saudi-Arabien, das schon länger ein treuer Verbündeter der USA ist als jeder andere Staat der Region, wird wie ein Feind behandelt“, beklagte die saudische Zeitung „ArabNews“ am Mittwoch. Einzig die Tatsache, dass Bush sich so kurzfristig bereit erklärte habe, Prinz Saud el Faisal zu empfangen, sei ein Beleg dafür, dass auch die Bush-Regierung an Schadensbegrenzung interessiert sei.

Der saudiarabische Innenminister Prinz Naif Ibn Abdelasis erklärte unterdessen, der Islam sei das geeignete Mittel, um die Terroristen zu bekämpfen, die sich selbst als gottesfürchtige Muslime bezeichneten. Bei einem Treffen mit Honoratioren und Stammesführern in der nördlich von Riad gelegenen Region El Kasim, sagte er am Dienstagabend: „Wir werden der Welt zeigen, dass der Islam in der Lage ist, einen starken Staat zu schaffen“. Die Täter seien zwar saudiarabische Staatsbürger, „ihre Methoden und ihre Ideen stammen jedoch aus dem Ausland“, fügte er hinzu. Die Einwohner der Region El Kasim gelten als religiös-konservativ. Am Montag waren dort bei einer Schießerei zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen islamischen Extremisten sechs Verdächtige und zwei Polizisten gestorben.

Prinz Saud erklärte unterdessen in Washington, er bedauere zwar, dass die von der Bush-Regierung zurückgehaltenen Teile des Kongress-Berichts nun doch nicht veröffentlicht würden, habe aber gleichzeitig Verständnis für die Begründung, dass eine Veröffentlichung laufende Untersuchungen und Operationen der US-Sicherheitsdienste gefährden könnte. „Eine Veröffentlichung würde uns die Möglichkeit geben, konkret auf Anschuldigungen zu reagieren (…) wir haben nichts zu verbergen“, betonte er.

Bush habe anerkannt, dass sein Land ein „starker Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus“ sei, sagte Prinz Saud. Der Vorwurf, Saudiarabien sei in die Terroranschläge vom 11. September 2001 verwickelt, entbehre jeder Grundlage. Saudiarabien habe nach den Anschlägen mit dem Verhör tausender Verdächtiger und der Verhaftung von 500 Menschen maßgeblich dazu beigetragen, den Kampf gegen den Terrorismus zu führen.

US-Medienberichten zufolge hatten Angehörige der saudischen Führung die Terroranschläge vor knapp zwei Jahren mit finanziert. 15 der insgesamt 19 Attentäter waren saudische Staatsbürger.

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