Satiremagazin "Titanic" wird 30

Einen runden Geburtstag der ganz besonderen Art gibt es im Oktober zu feiern: "Titanic – das endgültige Satiremagazin" feiert sein Perlenjubiläum.
"Titanic" wird 30 - Die "besten" Covers

Vor 30 Jahren erblickte “Titanic” die “Dunkelheit der Welt”, um ihr fortan Licht und Wärme zu schenken. Gegründet von Robert Gernhardt, Peter Knorr, Chlodwig Poth, F.K. Waechter und Hans Traxler, löste “das endgültige Satiremagazin” die dahinsiechende “Pardon” als Leitmedium der “Neuen Frankfurter Schule” ab, wurde zum Zentralorgan der kritisch-komischen Intelligenz – ein ständiges Forum für Autoren wie Bernd Eilert, Eckhard Henscheid, Walter Boehlich, Max Goldt, Hans Zippert, Oliver Maria Schmitt und Thomas Gsella; ein stets geöffnetes Atelier für Zeichner wie Bernd Pfarr, F.W. Bernstein, Michael Sowa, Greser&Lenz, Walter Moers und Rudi Hurzlmeier.

Alles wollte man anders machen als die etablierten Zeitschriften: Statt Leserbriefen wurden “Briefe an die Leser” verfasst, statt sich selbst dem strengen Urteil der Kritiker zu stellen, schuf man unter dem Rubrum “Humorkritik” ein hauseigenes Schiedsgericht, vor dem die Konkurrenz bis heute zitternd zu bestehen versucht.

Abstoßen wollte man sich von traditioneller politischer Satire, von Kabarett und Zeitungsglosse, von Liedermacherei und Zeigefingermoral. Frei, hell und schnell sollte diese neue komische Richtung sein, die gute Gesinnung allemal hinter der guten Pointe zurücktreten. Bis heute fördert “Titanic” den satirischen Nachwuchs, mit der offenen Kolumne “Vom Fachmann für Kenner” und der Titanic-Homepage.

Bekannt wurde das Heft vor allem durch medienwirksame Aktionssatire: 1988 behauptete Chefredakteur Bernd Fritz inkognito bei “Wetten dass”, er könne die Farbe eines Buntstifts am Geschmack erkennen. Im Jahr 2000 holte “Titanic” die Fußball-WM ’06 nach Deutschland – mit einem getürkten Bestechungsfax an die FIFA-Delegierten. Die 2004 von Martin Sonneborn gegründete Partei “Die PARTEI” trat mit dem Anspruch, alle anderen Parteien überflüssig zu machen, bei mehreren Wahlen an.

Als Grenzgänger des guten Geschmacks wie auch des juristisch Erlaubten ist “Titanic” die verbotenste Zeitschrift Deutschlands. Seit der Gründung wurden mehr als 35 Hefte vom Markt geklagt, sündhaft teure Prozesse brachten das Magazin mehr als einmal in finanzielle Schwierigkeiten.

Beleidigt zeigten sich unter anderem Kurt Beck, Johannes Rau, Benjamin von Stuckrad-Barre, Gerhard Zwerenz, Hans-Joachim Kulenkampff und Björn Engholm, forderten Geld und/oder Genugtuung. Nur Helmut Kohl, das als “Birne” auf Dutzenden von Titelblättern verewigte Maskottchen, ließ das Heft juristisch stets ungeschoren.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Satiremagazin "Titanic" wird 30
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen