Sarkozy zu De-Gaulle-Feiern in London

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat die britische Unterstützung für den französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg gewürdigt.
Nicolas Sarkozy in London

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Londoner Aufrufs von General Charles de Gaulle zur Fortsetzung des Kampfes besuchte Sarkozy am Freitag in der britischen Hauptstadt den historischen Sitz der Rundfunkanstalt BBC, die am 18. Juni 1940 den Appell Charles de Gaulles ausstrahlte: “Frankreich hat eine Schlacht verloren. Aber Frankreich hat nicht den Krieg verloren!”

Der damals noch weitgehend unbekannte Brigadegeneral und Staatssekretär in der zwei Tage zuvor zurückgetretenen Regierung von Ministerpräsident Paul Reynaud widersetzte sich dem Waffenstillstandsersuchen von Marschall Philippe Pétain an Deutschland, das gegen die Bündnisvereinbarungen mit Großbritannien verstieß. Die britischen Behörden hatten damals allerdings de Gaulles Bitte zunächst zurückgewiesen, sich über den britischen Rundfunk an das französische Volk wenden zu können. Erst eine Intervention von Premierminister Winston Churchill ermöglichte es dem General, die Rede zu halten und sich zum Chef des “Freien Frankreich” auszurufen. Der Aufruf wurde am Freitag im Rahmen einer Zeremonie mit großem militärischen Glanz in London erneut verlesen.

Sarkozy, der von seiner Ehefrau Carla Bruni und ehemaligen Résistance-Kämpfern begleitet wurde, verlieh sechs Veteranen – drei französischen und drei britischen – den von Napoleon I. gegründeten Orden der Ehrenlegion. Britische und französische Kampfflugzeuge flogen in einer Ehrenformation über London. Der britische Premierminister David Cameron und Thronfolger Prinz Charles erklärten, im Zweiten Weltkrieg hätten Briten und Franzosen gemeinsam Freiheit und Demokratie verteidigt. Der Jahrestag sei eine “äußerst wichtige” Erinnerung an die enge Bindung zwischen Frankreich und Großbritannien. Cameron sagte mit Blickrichtung auf den NATO-Einsatz in Afghanistan: “Die Tapferkeit, die wir feiern, ist nicht nur Vergangenheit, sondern tagtäglich präsent.”

Zusammen mit Prinz Charles legte der französische Präsident Kränze am Denkmal von König Georg VI. (1936-52), dem Vater von Königin Elisabeth II., und an einer Statue von General de Gaulle nieder. Am 22. und am 9. November wird in Frankreich des 120. Geburts- und des 40. Todestags des Schöpfers der Fünften Republik gedacht werden.

Vier Jahre sollte es nach de Gaulles Appell dauern, bis die alliierten Streitkräfte in der Normandie landeten und Frankreich von den deutschen Besatzern befreiten. Der General zog im Triumph als provisorischer Staatschef in Paris ein. 1946 trat er im Streit mit den Parteien zurück, um zwölf Jahre später an die Macht zurückzukehren und die Fünfte Republik zu errichten, deren erster Präsident er von 1959 bis 1969 war.

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