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Sand in die Gedankenlosigkeitsmaschine

&copy APA
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"25 Peaces": Die samstägliche Partylaune der Wiener Innenstadt erhielt Samstag Abend einen beklemmenden Unterton, die Wochenends-Gedankenlosigkeitsmaschine geriet ins Stottern.

Denn an Fliegerabwehr-Suchscheinwerfer gemahnende Lichtstrahlen-Bündel ragten gen Himmel. Alle paar Minuten gleißte der Stephansplatz taghell, um wenig später wieder in rotes Glühen zu versinken. Und partyfreudiges Treiben über die Kärntner Straße kam durch düstere Sounds vom Neuen Markt her ins Stocken. Mit Licht- und Toninstallationen zum Gedenken an den alliierten Bombenangriff auf Wien vom 12. März 1945 startete gestern, Samstag, die “25 Peaces“-Projektreihe.

Heiße Diskussionen trotz kaltem Wetter

Angesagte Aufregungen finden selten statt. Die Polarisierung durch die ersten Projekte der Serie von Events im öffentlichen Raum, mit denen „Graz 2003“-Macher Wolfgang Lorenz und Bundestheaterholding-Chef Georg Springer die zahlreichen heurigen Jahrestage ins Bewusstsein der Österreicher bringen wollen, hat jedoch funktioniert. Heiße Diskussionen trotz kaltem Wetter an den gestrigen Schauplätzen – Stephansplatz, Neuer Markt, Albertinaplatz und Heldenplatz – begleiteten die Erinnerungsloops, die im Vorfeld stark umstritten waren, und sich nun als zwar groß angelegte, jedoch im Kleinen wirkende Irritationen entpuppten.

Am Neuen Markt regnete es in Projektionen auf drei Häuserfassaden symbolische Opfer-Vornamen und -Zahlen vom Himmel (Lichtdesign:
Norbert Chmel), so wie es 60 Jahre zuvor Bomben geregnet hatte. Deren verheerende Wirkung auf Wien zeigten Aufnahmen der Zerstörungen – Ruinen, Luftaufbilder und in den Himmel wegkippende Häuserfassaden – wegen seiner gelackten Audiospur (Andreas Fabianek) und der überdeutlichen Symbolik der schwächste Teil des Abends. Am Heldenplatz ragte nun statt weißen Kreuzen ein Grabstein mit der Aufschrift „Den Opfern des Nationalsozialismus“ an dem Balkon auf, auf dem sich Hitler im März 1938 bejubeln ließ, und die Reiterdenkmäler sind eingemauert.

Vor der Albertina formten in den Himmel gerichtete Scheinwerfer die Umrisse des 1945 zerstörten Philipphofes, alle paar Minuten war auf einer vom Winde verwehten Wasserwand eine Projektion des Hauses zu sehen. An dessen ehemaligen Standort, unter dem immer noch die Opfer von damals liegen, steht heute das Hrdlicka-Denkmal – für eine Zuseherin „blöde Figuren“, die ihr die Sicht verstellen.

Auch antisemitische Bösartigkeit

Vielerlei erhitzte Wortfetzen durchzogen anfangs die Stadt. „Vielleicht waren das seinerzeit auch keine wirklichen Bomben“, die USA bringen auch heute Zerstörung statt Freiheit in den Irak, niemand gedenke, dass die Amis auch die Oper zerstört haben, die ebenso ausbrannte wie der Stephansdom: Nein, im Dialog mit den “25 Peaces“ glänzte nicht nur das goldene Wienerherz, sondern regte sich das vielfältig verletzte und vielfältig gegen-aufklärerische, bekanntlich zuweilen nicht unbedingt schuldbewussteste Gemüt der Österreicher in all seiner Problematik. Auch die auf den Stephansplatz übertragene Lesung im Erzbischöflichen Palais, bei der über 100 Prominente aus dem 1935 erschienenen Buch „Sein Kampf – Antwort an Hitler“ von Irene Harand vortrugen, erregte Betroffenheit, aber auch manche antisemitische Bösartigkeit.

Die Projekte könnten die Frage nach Opfern und Tätern nicht klären, so Lorenz und Springer im Vorfeld. Doch es sind vielleicht die kleinen Wirkungen, die großen Effekt erzielen. Diente bei den jungen Partygehern das eine oder andere „Peace“ als Witzvorlage im Vorbeihuschen, so zeigten die Projekte in anderen Momenten erstaunliche Wirkung: Verwirrt und interessiert stellte ein vorbeifahrender Jugendlicher vor dem Albertinaplatz die weithin hörbaren hämmernden Bässe seines Autoradios leiser. Und zwei leicht alkoholisierte Männer – 1945 noch Kinder – erzählten einander sichtlich erschüttert über ihre Angst im Krieg.

Die ersten der “25 Peaces“ haben in manchen festgefahrenen Weltbildern für ein wenig Irritation gesorgt. Der Ball, diese Diskussion aufzugreifen, liegt bei der Öffentlichkeit.

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