Sanader spricht von "medialer Hexenjagd und Rufmordkampagne"

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Der kroatische Ex-Premier Ivo Sanader, der sich seit Mitte Dezember in Salzburg in Auslieferungshaft befindet, weist jede Verwicklung in angebliche kriminelle Machenschaften zurück.
In einem Interview mit den “Salzburger Nachrichten” (Samstag-Ausgabe) sprach der 57-Jährige von einer “medialen Hexenjagd und Rufmordkampagne”, die gegen ihn und seine Familie im Gange sei. Dahinter stecke seine Nachfolgerin an der Regierungsspitze und frühere Vertraute Jadranka Kosor.

Der Grund dafür “liege auf der Hand”, meinte der frühere Chef der nationalkonservativen HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) gegenüber den “SN”. Die derzeitige Premierministerin Kosor habe Angst, er könne an die Spitze der Politik zurück wollen. “Das will sie auf jeden Fall verhindern. Der Vize-Präsident des Parlaments, Vladimir Seks, und der Generalstaatsanwalt (Mladen) Bajic helfen ihr dabei.”

Zum Bruch mit Kosor sei es Anfang Jänner 2010 gekommen. “Ich habe in einer Pressekonferenz angekündigt, dass ich mich als Ehrenvorsitzender der Partei wieder stärker in die Führung der HDZ einmischen werde, aber nicht in die Führung der Regierung. Wir hatten soeben eine Schlappe bei der Präsidentenwahl erlitten. Unser Kandidat hat nur 12 Prozent erhalten. Er hat mir daran die Schuld gegeben. Ich musste etwas unternehmen.”

Einen Tag später sei er aus der Partei ausgeschlossen worden, erinnerte Sanader in dem Interview. “Und als Drohgebärde gegen mich hat Frau Kosor gleich einmal den Generalstaatsanwalt und den Innenminister zu sich zitiert. Da ist dann vermutlich der Auftrag ergangen, mich zu verfolgen.”

Dass Kosor unter dem Druck der EU stehe, den Beitrittskandidaten Kroatien von der Korruption zu befreien und dabei auch vor prominenten Personen nicht haltzumachen, glaubt Sanader nicht: “Wir haben heuer ein Wahljahr in Kroatien. Im Gefängnis kann ich ihr nicht gefährlich werden. Sie glaubt, sie gewinnt damit Wählerstimmen. Das wird sie nicht. Und die Partei wird dabei zugrunde gehen. Die eigentlichen Probleme des Landes bleiben derweil ungelöst.”

Dass ihm seitens der kroatische Justiz “gewerbsmäßiger Betrug, Amtsmissbrauch und die Bildung einer kriminellen Vereinigung” vorgeworfen werde, stellte Sanader in Abrede: “Das stimmt so nicht. Der Vorwurf im Haftbefehl lautet auf die Bildung einer Vereinigung zwecks Begehung von Straftaten. Das ist ein wesentlich milderer Tatbestand. Aber auch dieser Vorwurf entbehrt so wie alle anderen auch, die gegen mich gemacht werden, jeglicher Grundlage.”

Geldwäsche-Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Österreich würden “sich als haltlos herausstellen”, zeigte sich Sanader überzeugt. Daher gehe es ihm auch nach 40 Tagen im Gefängnis “den Umständen entsprechend” gut. “Ich bin immer der Gleiche. Ich habe schon früher zur inneren Ruhe gefunden. Ich bin mit mir im Reinen und lebe im Jetzt. Dieser ungewollte Ortswechsel bringt mich nicht aus der Fassung.”

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