Salzburger Staatsanwälte sollen Sanader im Auftrag Kroatiens befragen

Der in Salzburg in Auslieferungshaft sitzende kroatische Ex-Premier Ivo Sanader könnte von österreichischen Staatsanwälten im Auftrag der kroatischen Korruptionsstaatsanwaltschaft USKOK in Salzburg befragt werden.

Ein entsprechendes Ansuchen habe das kroatische Justizministerium an die Behörden in Salzburg geschickt, berichteten kroatische Medien am Mittwoch. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Salzburg, Barbara Feichtinger, sagte der APA dazu auf Anfrage: Es gehe um nicht öffentliche Vorgänge, die sie nicht kommentieren dürfe.

Die an Österreich geschickten Dokumente seien auf Deutsch und würden genau beinhalten, was Sanader zur Last gelegt wird, so die USKOK laut Nachrichtenagentur Hina. Danach könnten Sanaders kroatische Anwälte auch Einsicht in Akten bekommen, was ihnen bisher nicht möglich war. Laut dem kroatischen Gesetz ist Akteneinsicht seitens der Verteidiger erst möglich, nachdem der Beschuldigte zu den Vorwürfen Stellung genommen hat.

Der 2009 ohne Angabe von Gründen zurückgetretene Sanader sitzt seit 10. Dezember 2010 in der Justizanstalt Salzburg hinter Gittern. Er hatte Kroatien am 9. Dezember verlassen, kurz bevor seine parlamentarische Immunität aufgehoben wurde. Einen Tag später wurde er auf der Tauernautobahn in St. Michael im Lungau wegen Korruptionsverdachtes aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen.

Die kroatische Justiz wirft Sanader gewerbsmäßigen Betrug, Amtsmissbrauch und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Durch dubiose Transaktionen über ihm nahe stehende Firmen soll er das kroatische Staatsbudget um sechs Millionen Euro geschädigt haben. Das Geld soll unter anderem in Geheimfonds der heuten noch regierenden Partei Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) geflossen sein. In der Affäre wird auch in Österreich wegen Geldwäsche ermittelt. Eine angebliche Verwicklung in die Affäre um die Kärntner Hypo Alpe Adria hat Sanader bestritten.

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