Salzburger Informatiker entwickeln Software für Handy-Reiseführer

Zwei Salzburger Informatiker entwickelten die Software für den ersten mobilen Reiseführer per Handy. Mit ihrem Produkt "Wikitude" erkennt das Handy den Standort und zeigt automatisch die wichtigsten Informationen an. S24-Video 

Ein Handy, das den Standort erkennt und am Bildschirm automatisch die wichtigsten Informationen zu den Sehenswürdigkeiten in der Umgebung einblendet: Das ist die Entwicklung von zwei Salzburger Informatikstudenten, die ihr Produkt “Wikitude” heute, Mittwoch, bei einem Pressegespräch in Salzburg präsentiert haben. Philipp Breuss (37) und Martin Lechner (25) haben für ihre Software internationale Preise erhalten und mittlerweile ein eigenes Unternehmen gegründet.

Die Software der beiden Universitätsabsolventen macht aus einem Handy einen mobilen Reiseführer. Benötigt wird dazu allerdings ein Smartphone der neuesten Generation, ein sogenanntes Android Handy, das mit GPS, Kompass und Bewegungssensor ausgestattet ist. Mit der Software erkennt das Handy den Standort des Benützers sowie jene Sehenswürdigkeit, auf die das Kameraauge des Handys gerade blickt. “Das Handy erkennt, wo man hinschaut und spielt automatisch die Information auf den Bildschirm ein”, beschrieb Breuss die Funktionsweise von “Wikitude”.

Bei den Texten wird auf georeferenzierte Wikipedia-Seiten zugegriffen, bei denen Längen- und Breitengrad verfügbar ist. Außerdem gibt es Empfehlungen von Restaurants und Hotels. Mittlerweile haben die beiden Informatiker ihr Produkt auch für den Sternenhimmel weiterentwickelt: Man hält das Kameraauge des Handys auf den Nachthimmel und bekommt Informationen über die jeweiligen Sternbilder. Diese Anwendung nennt sich “Zenith”.

“Wikitude” ist derzeit in Deutsch, Englisch, Holländisch, Polnisch und Tschechisch verfügbar, Französisch soll in Kürze folgen. Das Programm kann auf 450.000 Artikel weltweit zugreifen. Die Idee zu “Wikitude” hatte Breuss bei einem Urlaub in Tschechien. Er war mit einem Navigationsgerät unterwegs, das auch Kurzinfos zu den Reisezielen mitlieferte. Doch Breuss hatte das Bedürfnis nach weitergehender Information und beschloss, so etwas selbst zu programmieren.

Seit November 2008 verzeichneten Breuss und Lechner weltweit rund 100.000 kostenlose Downloads von “Wikitude”. Das Interesse steige mit der Verbreitung des Smartphones G1, für welches die Software funktioniert, sagte Breuss. Über Werbung und Anwendungen für Kunden wollen Lechner und Breuss mit ihrer Firma Mobilizy mit ihrer Software-Entwicklung Geld verdienen. So gibt es Kontakte mit Reiseführerverlagen, Ausstellungen oder einem britischen Sportveranstalter. Eine holländische Bank hat die Anwendung genützt, um Handybenutzer zu den Standorten von Geldausgabeautomaten zu lotsen. “Die Kunden kommen mit ihren Ideen für unsere Anwendung zu uns”, freuen sich die beiden Jungunternehmer über den Erfolg. Von fachlicher Seite haben sie schon große Anerkennung erhalten: Der “Digital Outlook Report 2009” listete “Wikitude” unter die Top 10 der neuen mobilen Anwendungen, beim Mobile World Congress in Barcelona erhielten sie den “Top Innovator”-Award und beim Google Android Developer Contest kamen die Salzburger unter die ersten 50 Platzierungen.

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