Salzburger Glockenspiel geht nach zwei Jahren Pause wieder in Betrieb

Nach zweijähriger Pause wird das 300 Jahre alte Glockenspiel am 28. Jänner um 11 Uhr im Glockenturm der Neuen Residenz in Salzburg erstmals wieder erklingen.
Bilder vom Glockenspiel

Grund des Schweigens der 35 Glocken seit 25. Dezember 2008 war die dringend notwendige, rund 400.000 Euro teure Restaurierung der Klangkörper und des metallischen Antriebswerkes. Das Salzburg Museum bitte die Salzburger Bevölkerung um Spenden für den noch nicht ausfinanzierten, rund 10.000 Euro hohen Restbetrag.

Die Montagearbeiten sind bereits abgeschlossen. Heute, Dienstag, wird die Arbeitsplattform aus Holz mit Hilfe eines Autokrans abgebaut. Noch nicht fertig ist die Feinmontage der Verbindung zwischen Antriebswerk und Glocken. Wegen der Feinabstimmung sind derzeit immer wieder einzelne Töne zu hören, schildert Museumssprecherin Natalie Fuchs.

Die ursprünglich veranschlagten Restaurierungskosten von 360.000 Euro tragen zu je einem Drittel Stadt und Land Salzburg sowie die zum Bund gehörige Burghauptmannschaft. Da die Kosten nur auf einer Schätzung beruhten und zusätzliche Verbesserungen beauftragt wurden – das Denkmalamt ordnete beispielsweise die Freilegung sämtlicher Bemalungen an – entstanden Mehrkosten von rund 40.000 Euro. Davon übernahm 30.000 Euro der Drogeriemarkt dm, rund 1.000 Euro kamen durch Einzelspenden zusammen.

Für den verbleibenden Rest bittet Museumsdirektor Erich Marx nun um weitere Spenden, auch Beträge von 20 oder 50 Euro seien willkommen. “Jeder erhält eine Bestätigung, so kann die Spende von der Steuer abgesetzt werden. Wir laden auch jeden Spender zu einer Führung auf den Glockenspielturm ein.”

Ab Ende Jänner erklingen die abwechselnd gespielten, insgesamt 40 Melodien des Glockenspiels dann wie gewohnt um 7.00, 11.00 und 18.00 Uhr über der Salzburger Altstadt. Das Antriebswerk läuft jetzt runder: Einzelne Teile wurden ausgetauscht, die große Messingwalze erhielt ein neues Lager. Die alten Farben und die kunstvollen Malereien auf den Metallverstrebungen und Glocken sind wieder sichtbar. Das Glockenspiel kann nicht nur elektronisch, sondern wie früher per Handkurbel angetrieben werden. “Das ist eine zusätzliche Attraktion für unsere Führungen”, betonte Direktor Marx.

Die Restaurierung der 35 Glocken war bereits im September 2009 abgeschlossen. Sie wurden wie das Spielwerk nach Wien gebracht. Dort entfernte Metallrestauratorin Elisabeth Krebs in mühsamer Kleinarbeit auch alte Schmutz-, Rost- und Lackschichten. Die Expertin benötigte für die Restaurierung des Glockenspiels laut Museum “deutlich mehr als 3.000 Arbeitsstunden”. Dazu musste das insgesamt 4,5 Tonnen schwere Werk in 3.500 Einzelteile zerlegt und nach der Generalüberholung im vergangenen Herbst im Glockenturm wieder zusammengebaut werden.

Allein 16 Musikstücke sollen von Johann Michael Haydn stammen, die Melodien von Mozarts Vater Leopold sind Bearbeitungen aus dem 19. Jahrhundert. Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun hatte die 35 Glocken im Jahr 1695 beim Glockengießer Melchior de Haze in Antwerpen gekauft. Der Salzburger Büchsenmacher Franz Sulzer und der Glockengießer Benedikt Eisenberger stellten 1702 den Antriebsmechanismus und die Messingwalze her. Damit das Glockenspiel 1704 in Betrieb gehen konnte, bohrte Hofuhrmacher Jeremias Sauter – er fertigte das Antriebswerk in Eigenproduktion an – 7.964 Löcher in die Messingwalze.

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