Sahara-Touristen wieder daheim

Knapp sechs Monate nach ihrer Entführung und tage-langer Ungewissheit über ihre Freilassung sind die 14 Sahara-Geiseln am Mittwoch in die Heimat zurückgekehrt.

Der Bundeswehr-Airbus mit den neun Deutschen, vier Schweizern und einem Niederländer an Bord landete in der Früh auf dem Flughafen Köln-Wahn. Von dort reisten die von algerischen Extremisten entführten Männer und Frauen weiter in ihre Wohnorte. Der Augsburger Witek Mitko (49) sagte nach der Rückkehr aus Mali: „Wir sind ein bisschen müde jetzt, aber glücklich.“ Einem algerischen Zeitungsbericht zufolge war die Geiselbefreiung erst möglich, nachdem die Entführer die Landesgrenzen verlassen hatten.

Der deutsche Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog sagte, der Gesundheitszustand sei bei allen „außerordentlich gut“. Während des Fluges seien die elf Männer und drei Frauen „entspannt und fröhlich und euphorisch“ gewesen. Nach eigenen Angaben seien sich von den Geiselnehmern während ihrer Wüsten-Odysee in Algerien und Mali „relativ korrekt“ behandelt worden. Trotzdem bezeichnete Chrobog die Entführer als „Verbrecher“, die festgenommen werden müssten. Die Regierung in Mali erklärte dagegen, sie wolle die Geiselnehmer nicht verfolgen.

Der deutsche Staatssekretär räumte ein, dass sich die Verhandlungen über die Freilassung der Geiseln immer wieder in „sehr schwierigen Phasen“ befunden hätten, „vor allem in den ersten Monaten in Algerien“. Es hätte „sehr viel schlimmer kommen können“. Die Geiselnehmer seien in Algerien in der ständigen Sorge gewesen, dass sie militärisch angegriffen würden. Die algerische Zeitung „La Nouvelle Republique“ (Mittwochsausgabe) berichtete, dass eine Rettung der Geiseln überhaupt erst in Mali möglich gewesen sei. Die algerische Regierung hätte einer Lösegeld-Zahlung nämlich nie zugestimmt, um nicht einen Präzedenzfall zu schaffen. Daher hätten sich die Entführer zur Verschleppung der Gefangenen ins südliche Nachbarland entschlossen.

Laut Mitko erfuhr die Gruppe erst am Montag von ihrer Freilassung. „Wir konnten es nicht glauben“, sagte er bei einem Empfang am Augsburger Flughafen, wohin er zusammen mit dem Ehepaar Kurt und Erna Schuster von Köln weiter geflogen war. Nach der Freilassung sei die Gruppe etwa 38 Stunden ohne Pause durch die Sahara gefahren, berichtete Kurt Schuster (64), der einen dichten Vollbart trug. Er sagte, sie hätten die Hoffnung auf eine Befreiung nie verloren und sich „immer wieder Termine gesetzt“. Mitko sagte, sie seien gut von den Entführern behandelt worden und hätten nicht hungern müssen.

Die vier Schweizer Geiseln – einige von ihnen in Tuareg-Kleidung – wurden am Vormittag am Flughafen Zürich-Kloten von den Angehörigen und Außenministerin Micheline Calmy-Rey herzlich begrüßt. Calmy-Rey kündigte an, dass sich die Schweiz solidarisch an den Kosten der Geisel-Befreiung beteiligen wolle.

Chrobog bezeichnete die Befreiungsaktion als „wohl die langwierigste und aufwändigste Rettungsaktion deutscher Touristen im Ausland, die wir bisher durchgeführt haben“. Spekulationen über eine Lösegeldzahlung wollte er nicht kommentieren. Der Chef des Schweizer Krisenstabs, Peter Sutter, sagte dazu: „Wir können und wollen nicht wissen, wie die malischen Unterhändler eine Lösung erreicht haben.“ Unbestätigten Berichten zufolge sollen rund 4,6 Millionen Euro geflossen sein.

Die Ende Juni ums Leben gekommene Geisel Michaela Spitzer starb nach Chrobogs Angaben „im Kreise der anderen Geiseln“. Die Augsburgerin sei auf der Fahrt von Algerien nach Mali an Wassermangel und einem Hitzschlag gestorben. Ihr Tod sei besonders tragisch gewesen, da sich die Wasserversorgung bereits am Tag nach ihrem Tod verbessert habe. Ihre Leiche soll nun auch nach Deutschland überführt werden.

Zuletzt seien die Geiseln im Nordwesten Malis „sehr weit weg“ von der Stadt Gao festgehalten worden, sagte Chrobog. Von ihrem Versteck seien sie zunächst über Wüstenstraßen nach Gao gebracht und am Dienstag in die Hauptstadt Bamako weitergeflogen worden. Vor der Abreise nach Deutschland waren sie noch vom malischen Präsidenten Amadou Toumani Toure empfangen worden.

Im Februar und März waren binnen weniger Wochen insgesamt 32 europäische Urlauber in der algerischen Sahara entführt worden. Bereits im Mai war eine erste Gruppe von 17 Geiseln – darunter zehn Österreicher und sechs Deutsche – unbeschadet von der algerischen Armee befreit worden.

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