Sahara-Geiseln in Salzburg gelandet

Die österreichischen Sahara-Geiseln sind am Mittwoch Abend mit einer Lauda Air der AUA in Salzburg gelandet. Chronologie | Bericht der Geiseln

Das fast drei Monate lange dauernde Geiseldrama in Algerien ging am Mittwoch Abend zumindest für die acht Salzburger und zwei Tiroler Geiseln sowie für sechs Deutsche und einen Schweden zu Ende. Genau um 19.55 Uhr setzte die Boeing 737 der Lauda Air mit den zehn österreichischen Sahara-Geiseln auf der Piste des Salzburger Flughafens auf, kurz zuvor eine Challenger der deutschen Bundeswehr in Köln-Bonn.

In Salzburg rollte die Maschine nach der Landung zum Vorplatz, unmittelbar darauf fuhr der Bus mit den rund 30 bis 40 Angehörigen zum Flugzeug vor. Die Angehörige stiegen in die Maschine, um ihre Liebsten abgeschirmt vor den rund 100 Journalisten begrüßen zu können. Salzburgs Landeshauptmann Franz Schausberger hatte die Familien begleitet, blieb aber im Freien stehen. Die Geiseln wirkten sehr erschöpft, hatten abgemagerte Gesichter. Szenen der Freude über die Wiederkehr prägten aber das Bild am Vorfeld des Flughafens.

Die Maschine war kurz vor 18.00 Uhr in Algier gestartet. Beim Abflug waren die acht Salzburger und zwei Tiroler vom algerischen Außenminister persönlich verabschiedet worden.

Stunden vor der Landung hatten die Familien der zehn Heimkehrer in einer gemeinsamen Erklärung angekündigt, dass sie vorerst keine weiteren Stellungnahmen in der Öffentlichkeit abgeben wollen. „Unsere Freude ist verhalten, da das Schicksal von 15 weiteren Menschen zur Zeit ungewiss ist. Bitte nehmen auch Sie Rücksicht auf all jene, die noch in Algerien sind“, hieß es in der Erklärung. Das Rote Kreuz Salzburg hat den Geiseln indessen psychologische Betreuung angeboten, die Landesspitäler eine umfassende Nachuntersuchung.

Die acht Salzburger und zwei Tiroler sind am Dienstag bei einer Befreiungsaktion des algerischen Militärs gemeinsam mit den sechs Deutschen und dem Schweden befreit worden. Nach Angaben des algerischen Generalstabs wurden sie westlich von Illizi aus der Gewalt der Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) befreit, der in einem Naheverhältnis zum Terrornetzwerk Al Kaida von Osama bin Laden stehen soll. Bei dem Sturmangriff wurden offiziellen Angaben zufolge mehrere Soldaten verletzt, Medien in Algerien berichteten von neun getöteten Geiselnehmern und mehreren ums Leben gekommenen Soldaten. Über die Umstände der Befreiungsaktion gab es kaum offizielle Informationen.

Damit befanden sich noch 15 der ursprünglich insgesamt 32 entführten Europäer in der Gewalt von Geiselnehmern. Bei ihnen handelt es sich um zehn weitere Deutsche, vier Schweizer und einen Niederländer. Sie galten zum Teil schon seit Ende Februar als vermisst. Ihr Aufenthaltsort wird im Gebiet von Tamelrik vermutet.

Auch die Ankunft der sieben in Algerien befreiten Geiseln aus Deutschland und Schweden auf dem Flughafen Köln-Bonn war am Mittwoch überschattet von der Angst um die noch in der Sahara vermissten 15 Touristen. Die Sieben trafen an Bord eines Challenger-Jets der Bundeswehr in Deutschland ein, berichtete die dpa.

„Wir sind froh, dass der erste Teilerfolg erzielt worden ist. Wir sind in großer Sorge, was die zweite Gruppe von Geiseln betrifft“, sagte der deutsche Außenstaatssekretär Jürgen Chrobog. Er wollte keine Einzelheiten nennen, um die Sicherheit der übrigen Geiseln nicht zu gefährden.

Den befreiten Touristen in Deutschland soll es den Umständen entsprechend gut gehen. An Bord der Challenger befanden sich auch Mediziner und Psychologen. Fünf sollen aus Bayern stammen, einer aus Norddeutschland. Der Schwede lebt seit längerem in Deutschland.


Interview mit einer der Geiseln

Eine der zehn österreichischen Sahara-Geiseln, die 41-jährige Sabine Wintersteller aus Puch bei Hallein, gab heute, Donnerstag, dem ORF Salzburg trotz des selbst auferlegten Stillschweigens der Geiseln bis zum kommenden Montag ein Interview. „Ich habe geglaubt, ich bin um 100 Kilo leichter“, schilderte sie ihre Gefühle nach der Befreiungsaktion.

Gesundheitlich gehe es ihr recht gut, nur habe sie gestern einen Kreislaufkollaps erlitten, weil sie in den vergangenen Wochen praktisch keine Vitamine zu sich nehmen konnte. Man sei die ganze Zeit mit einer Art Grießbrei ohne Zucker und Salz ernährt worden, der Körper habe deshalb überhaupt keine Mineralstoffe zu sich nehmen können. „Deshalb muss ich vorerst sehr vorsichtig wieder zu essen beginnen“, so Wintersteller. Sie esse wenig, vorwiegend nehme sie Vitamine zu sich.

Zu den hygienischen Bedingungen sagte sie, „das muss man selbst erlebt haben“. Das Wasser hätten sich die Geiseln mit Toilettenpapier selbst gefiltert. Und auf die Frage, wie sie heute die erste Nacht zu Hause verbracht habe, meinte die 41-Jährige, sie habe schlecht geschlafen. Sie habe sich gefragt, in welcher Höhle sie heute sei, weil sie keinen Ausgang sehe.

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