Sagrada - Trailer und Kritik zum Film

Antoni Gaudi war ein äußerst bescheidener Mann - und entwarf mit der Sagrada Familia in Barcelona eines der wahnwitzigsten Gebäude der Menschheit: In seinem Dokumentarfilm "Sagrada - El misteri de la creacio" erzählt der Schweizer Regisseur Stefan Haupt von Widersprüchen wie diesem. Ab Freitag läuft der Film auch in den österreichischen Kinos an. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Die Kathedrale, die sich seit über 100 Jahren im Bau befindet, hätte ursprünglich wesentlich kleiner ausfallen sollen. Erst als Gaudi 1883 zum Chefarchitekten bestimmt wurde, begannen die Baupläne und später die Türme und Kirchenschiffe zu wuchern. Heute passt die überbordende Kirche perfekt zu Barcelona, der lauten Party-Metropole am Mittelmeer. Doch gleichzeitig ragt die Sagrada wiewohl bei weitem nicht fertig, als Monument einer anderen Zeit in die Gegenwart; Gaudis Ziel war es, die Frömmigkeit des katalanischen Klosters Montserrat in die Metropole zu tragen.

Etwas davon wirkt bis heute nach, wie das Beispiel des aus Japan stammenden Sagrada-Bildhauers Etsuro Sotoo in Haupts Film deutlich macht. Der ursprünglich tief im Zen-Buddhismus verankerte Mann konvertierte zum Katholizismus, um Gaudi nicht nur anzuschauen, sondern “mit ihm schauen zu können”.

“Sagrada – El misteri de la creacio” von Stefan Haupt

Da Gaudis Modelle und Skizzen in den Wirren des spanischen Bürgerkriegs fast komplett zerstört wurden, müssen die heute an der Kathedrale tätigen Künstler und Bauleute aufgrund weniger verbliebener Hinweise und mit viel eigener Intuition arbeiten. Sotoo etwa ist von Gaudi das schmückende Element einer Weizen-Ähre bekannt, was ihn zur Darstellung eines Brotkorbes inspiriert. Es bleibt viel zu tun: Noch ist die Hauptfassade karg, der Christusturm, der dereinst die Türme aller anderen Kirchen weltweit überragen soll, wirkt klein. Von insgesamt 18 geplanten Türmen stehen deren acht.

Entschieden ist mittlerweile, dass die Sagrada fertig gebaut werden soll, wie sich dies Gaudi (1852-1926) selber gewünscht hatte. Das war längst nicht immer klar. Nach dem Übergang Spaniens in die Demokratie in den 1970er Jahren forderten Künstler und Intellektuelle, die Kirche in halbfertigem Zustand zu belassen oder mit einem in die Gegenwart passenden Gebäudeteil zu ergänzen. Einer der Unterzeichner war der Bildhauer Josep Maria Subirachs – der später die Passionsfassade schuf.

In Haupts Film, der zwischen konventionellen Interviewpassagen sein Sujet in leuchtenden Bildern (Kamera: Patrick Lindenmaier) zeigt, werden kritische Fragen thematisiert. Sorge bereitet Fachleuten die Zugverbindung Paris-Barcelona, deren Strecke exakt unter der Sagrada durchführt. Ausgerechnet ein Hochgeschwindigkeitszug könnte das langsam, langsam wachsende Werk bedrohen, wird befürchtet.

Der Architekt David Mackay sieht die Kathedrale seinerseits in Gefahr, ein Rummelplatz für Touristen zu werden. Tatsächlich wird sich weisen müssen, ob die wuchtige Sagrada Familia dereinst “bethaft” sein wird, wie gläubige Menschen Orte nennen, an denen sich besonders gut Zwiesprache halten lässt mit Gott. Bereits seit Jahrzehnten finden Gottesdienste in der Krypta der Kathedrale statt, dem einzigen fertiggestellten Raum des Gebäudes. Gaudi liegt hier begraben. “Sagrada – El misteri de la creacio” feiert das große Werk, errichtet von Tausenden Arbeitern, finanziert von unzähligen Kleinspendern auch in Zeiten der Not. “Das Wichtigste ist nicht, die Sagrada zu vollenden, sondern sie zu bauen”, sagt der Architekturprofessor Joan Bassegoda.

(APA)

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