Saddam-Prozess wurde vertagt

Der Prozess gegen den früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein ist auf 5. Dezember vertagt worden. Der Vorsitzende Richter sagte, einem Angeklagten solle Zeit gegeben werden, einen Rechtsbeistand zu finden.

Mit dem ehemaligen irakischen Staatschef stehen sieben Männer aus seinem engsten Umfeld vor Gericht, denen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen werden. Bei einer Verurteilung droht ihnen die Todesstrafe.

Im Prozess gegen den irakischen Ex-Staatschef Saddam Hussein ist ein erstes Video als Beweis vorgeführt worden. Irakischer Ex-Staatschef nach Anschlagsversuch in Dujail zu sehen.Es zeigt Saddam Hussein 1982 direkt nach einem Anschlagsversuch in dem schiitischen Ort Dujail. Saddam Hussein ist in dem gelbstichigen Video, das aus einer alten Dokumentation des britischen Senders BBC stammt, bei der Befragung von Dorfbewohnern zu sehen und zu hören. Einer CNN-Übersetzung ins Englische zufolge befahl er nach der Befragung seinen Sicherheitsleuten: „Sondert sie aus und verhört sie.“ Nach dem gescheiterten Anschlag war in dem Dorf ein Massaker verübt worden, bei dem 143 Menschen getötet wurden. In dem Prozess am Montag werden dazu Zeugen befragt. Nach knapp sechswöchiger Pause ist am Montag der Prozess gegen den irakischen Ex-Staatschef Saddam Hussein und sieben seiner Gefolgsleute fortgesetzt worden. Das Gericht will in den kommenden vier Tagen in dem zur Festung ausgebauten Gerichtssaal in Bagdad etwa 50 Zeugen eines Massakers in dem schiitischen Ort Dujail hören.

Zum Auftakt der Verhandlung beschwerte sich Saddam Hussein, der in grauem Anzug mit offenem weißem Hemd erschienen war, beim Gericht. Da ihm Kugelschreiber und Papier verweigert worden seien, könne er sich nichts notieren: „Wie kann ich mich dann verteidigen?“ Das Gericht ließ am Montag als Verteidiger Saddam Husseins auch den früheren US-Justizminister Ramsey Clark zu. Dem früheren irakischen Präsidenten droht die Todesstrafe.

Der Korrespondent des US-Nachrichtensenders CNN berichtete vom Ort des Geschehens, Saddam Hussein sei sichtbar „gut gelaunt“ in den Gerichtssaal gekommen und habe seine Mitangeklagten lächelnd begrüßt. Die Fernsehaufzeichnungen aus dem Gericht wurden wie bereits beim Auftakt mit 30-minütiger Verzögerung ausgestrahlt.

Unterdessen forderten Bewohner Dujails sowie Demonstranten in den Schiiten-Hochburgen Najaf und Kerbala die Todesstrafe für Saddam Hussein. Dagegen verlangten Demonstranten in seinem Heimatort Tikrit nach Berichten arabischer Sender einen fairen Prozess. „Mit unserer Seele und unserem Blut opfern wir uns für Dich, oh Saddam“, riefen sie.

Dem irakischen Ex-Staatschef und sieben seiner Gefolgsleute werden im ersten von mehreren Prozessen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Saddam Hussein soll 1982 nach einem gescheiterten Mordanschlag die Hinrichtung von 143 Einwohnern von Dujail angeordnet haben.

Mehrere bei Gericht registrierte Verteidiger waren zu Prozessbeginn nicht erschienen. In den vergangenen Wochen waren bereits zwei Verteidiger ermordet worden. Aus Angst vor Rache von Anhängern Saddam Husseins wollen einige Zeugen die Aussage verweigern oder anonym aussagen.

Der Prozess war zuvor nach knapp sechs Wochen Pause fortgesetzt worden.

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