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Russische Top-Agentin hat Deutschland verlassen - für eine halbe Mio. Euro

Geheime Botschaften in Youtube-Kommentaren: Russisches Agentenpaar spionierte über Jahrzehnte.
Geheime Botschaften in Youtube-Kommentaren: Russisches Agentenpaar spionierte über Jahrzehnte. ©AP/Symbolbild
Einer der spektakulärsten Spionagefälle seit dem Mauerfall nimmt eine unerwartete Wendung: Die russische Top-Agentin Heidrun Anschlag, im Sommer 2013 zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, hat Deutschland vorzeitig in Richtung Heimat verlassen dürfen. Ihr Ehemann, den das Oberlandesgericht Stuttgart zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt hatte, bleibt allerdings weiter in Haft.

Das sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Samstag. Zunächst hatte “Focus” und am Samstag auch der “Spiegel” darüber berichtet. Die beiden Russen hatten rund 25 Jahre ein filmreifes Doppelleben geführt. Nach Überzeugung des Gerichts lieferten sie Hunderte Dokumente über EU und NATO an den russischen Geheimdienst SWR.

Hälfte der Strafe verbüßt

Der Generalbundesanwalt habe mit Blick auf die Ausweisung der Verurteilten von der weiteren Vollstreckung abgesehen, sagte eine Sprecherin in Karlsruhe. Paragraf 456a der Strafprozessordnung mache den Schritt möglich. Die Frau habe die Hälfte der Strafe verbüßt. Weitere Angaben machte die Sprecherin zunächst nicht.

Etwa eine halbe Mio. Euro für Freiheit

Um freizukommen, musste Anschlag laut “Spiegel” ungefähr eine halbe Million Euro bezahlen. Das hatte das Oberlandesgericht Stuttgart ihr und ihrem Mann auferlegt. Die Summe entspricht dem geschätzten Agentenlohn der beiden, hinzu kommen Prozesskosten. In Sicherheitskreisen hieß es dem Magazinbericht zufolge, es sei “nicht anders vorstellbar”, dass Moskau das Geld gegeben habe. Bei “Focus Online” war von einem möglichen Agentenaustausch die Rede, durch den die 48-Jährige freigekommen sei.

Russland strebte Agentenaustausch an

Laut einem früheren Bericht der Moskauer Zeitung “Kommersant” hatte die russische Führung einen Agentenaustausch angestrebt. Bis zur Festnahme hatte das Ehepaar, das österreichische Pässe als Heidrun und Andreas Anschlag ausweisen, im baden-württembergischen Balingen und im hessischen Marburg gelebt. Die wahren Identitäten der beiden kannte selbst das Gericht bis zum Urteil nicht.

USB-Sticks in Erdlöchern versteckt

Die nach Moskau übermittelten Dokumente befassten sich unter anderem mit dem Afghanistan-Einsatz und der Strukturreform der NATO. Das Duo versteckte USB-Sticks in Erdlöchern und übermittelte geheime Botschaften in Kommentaren zu Fußballervideos auf der Internetplattform Youtube. Hinweise, unter anderem aus den USA, hatten Ermittler auf ihre Fährte gebracht. Laut “Focus Online” wusste selbst die Tochter der beiden nichts von deren Agententätigkeit.

(APA)

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