Russische Fan-Krawalle überschatteten Austria-Sieg

Ausschreitungen im Sektor der Russen
Ausschreitungen im Sektor der Russen
Austrias fulminanter Abschluss der Champions-League-Saison ist am Mittwochabend von Aktionen abseits des sportlichen Geschehens überschattet worden. Gewalttätige Fans von Gegner Zenit St. Petersburg sorgten im Happel-Stadion mit Ausschreitungen für eine Spielunterbrechung, sogar ein Abbruch stand im Raum. Die Austria als Veranstalter darf sich auf eine Geldstrafe vonseiten der UEFA einstellen.


Eine zusätzlich blüht den Wienern aufgrund einer Greenpeace-Aktion vor Anpfiff. Während die Mannschaften Aufstellung nahmen, entrollten sechs als Cheerleader getarnte Aktivistinnen der Umweltschutzorganisation Plakate mit der Aufschrift “Gazprom don’t foul the arctic”. Der russische Erdölkonzern ist Sponsor der Champions League ebenso wie Hauptgeldgeber von Zenit.

Die umrühmlichen Geschehnisse im russischen Sektor nahmen nach 25 Minuten ihren Lauf. Aus dem Bereich der Gäste-Fans im 3. Rang des Sektors F schossen russische Hooligans gezielt Knallkörper in Richtung anderer Zuschauer und der Polizei ab, zudem versuchten Zenit-Anhänger den Austria-Sektor zu stürmen. Nachdem die Ordner überfordert waren, griff die Polizei schließlich durch und ging mit Einsatz von Tränengas gegen die Randalierer vor. Der mazedonische Schiedsrichter Aleksandar Stavrev unterbrach das Match für einige Minuten.

Wie Polizeisprecherin Michaela Rossmann am Donnerstag gegenüber der APA erklärte, wurden sechs russische Fans leicht verletzt. Sieben Personen wurden noch im Stadion festgenommen. Verletzte unter den Zuschauern – Böller explodierten auch in einem Familiensektor – gab es laut Polizeiangaben keine. Nach dem Spiel wurden die Fangruppen voneinander ferngehalten. Die russischen Anhänger wurden bis zur Grenze begleitet. Zwischenfälle gab es dabei keine.

“Es wird sicher ein Verfahren nach sich ziehen, auch für uns als Veranstalter”, meinte Markus Kraetschmer. Wie der Austria-Vorstand betonte, habe es im Vorfeld eine gute Zusammenarbeit mit den Zenit-Verantwortlichen gegeben. Diese haben über den als besonders brutal geltenden Anhang des Vizemeisters aber offenbar keine Kontrolle. “Zenit verurteilt diese Akte des Hooliganismus”, ließ der Verein in einer Aussendung wissen. Man werde Stadionsperren aussprechen.

Die Austria schien nach der Partie ratlos. Dass Knallkörper ins Stadion geschmuggelt werden, sei laut Kraetschmer nicht zu verhindern. “Solche Dinge kann man offenbar nie in den Griff bekommen. Vor allem im Winter kann in der Kleidung viel ins Stadion geschmuggelt werden”, meinte der Wirtschaftsvorstand, der eine genauere Analyse der Vorkommnisse ankündigte. Zumindest konnte die Partie nach dem Polizeieinsatz zu Ende gehen. “Wenn noch mehr passiert wäre, hätte der Schiedsrichter abgebrochen”, verriet Kraetschmer.

Auf dem Spielfeld bekamen die Akteure das Geschehen auf den Rängen mit. “Natürlich haben wir gehört, wie die Böller explodiert sind. In diesen Minuten ist es schwierig, sich auf das Spiel zu konzentrieren”, sagte Verteidiger Markus Suttner. Trainer Nenad Bjelica betonte, dass solche Aktionen “auf keinem Fußballplatz der Welt etwas verloren haben. Das ist eine Katastrophe.” Sein Gegenüber Luciano Spalletti verurteilte das Verhalten der Auswärtsfans: “Wenn unsere Fans nur zum Randalieren kommen, sollen sie besser zu Hause bleiben. Diese Leute sind unsere Gegner, wir wollen sie nicht sehen.”

Nicht erfreut nahm die Austria auch die Greenpeace-Aktion zur Kenntnis. Diese wird ebenfalls eine Geldstrafe nach sich ziehen. Im Oktober musste der FC Basel beispielsweise 30.000 Euro Strafe zahlen, nachdem im Champions-League-Spiel gegen Schalke 04 plötzlich ein riesiges Anti-Gazprom-Transparent vom Stadiondach des St. Jakob Parks entrollt wurde.

“Ich schaue schon lange Champions League, Cheerleader habe ich noch nicht gesehen. Deshalb habe ich mich ein wenig gewundert, als die hereinmarschiert sind. Aber da war es schon zu spät”, meinte Kraetschmer. Die Aktion dürfte genau durchgeplant worden sein. Zugang zum Spielfeld erhielten die Aktivisten offenbar durch eine Zusammenarbeit mit zwei bis drei Ordnern.

“Beim Versuch, Daten aufzunehmen, sind Personen offenbar auch in fahrende Autos geflüchtet”, berichtete Kraetschmer. Die Austria will nun die Strafe der UEFA abwarten und dann dementsprechend regressieren. Dass Greenpeace vor einem Spiel von Zenit eine Aktion setzt, war zumindest für Heinz Lindner nicht überraschend. “Damit hat man heute rechnen müssen”, meinte der Austria-Torhüter.

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