Räuber schlug 95-Jährige grün und blau: 13 Jahre Haft

Weil er eine 95-jährige Wienerin und zwei weitere Frauen mit wuchtigen Faustschlägen ins Gesicht zu Boden geschlagen und schwer verletzt hatte, um an ihr Bargeld zu kommen, hatte sich ein 35-jähriger Mann vor Geschworenen im Straflandesgericht zu verantworten.

Staatsanwalt Christian Mayer forderte eine strenge Strafe für den “brandgefährlichen Gewalttäter, der völlig gewissenlos alte Leute überfällt”.

Das Gericht (Vorsitz: Brigitte Zeilinger) kam dieser Aufforderung nach und verhängte 13 Jahre Haft, nachdem die 95-Jährige im Zeugenstand gemeint hatte: “Ist das ein Verbrecher? Ich glaub’ schon!” Das Urteils ist bereits rechtskräftig.

Der Angeklagte saß bis 2004 in der Slowakei eine zwölfjährige Haftstrafe ab: Der früher in einem Steinbruch beschäftigte Arbeiter hatte im Zuge einer tätlichen Auseinandersetzung einen Lokal-Besucher erschlagen. Nach seiner Entlassung reiste der Mann nach Wien, wo er sich seinen Angaben zufolge mit Betteln und Einbruchsdiebstählen den Lebensunterhalt verdiente.

Im vergangenen Frühjahr kam er auf die Idee, Frauen zu überfallen, die er beim Einkaufen beobachtet hatte. Am 11. April folgte er der 95-Jährigen, die ihm in einem Supermarkt in Wien-Liesing aufgefallen war. Er hielt ihr noch das Haustor auf, doch als er Minuten später an ihrer Wohnungstür läutete, war es mit den Freundlichkeiten vorbei. “Ich hab’ wortlos Faustschläge ins Gesicht gekriegt. Da, da und da! Es war fürchterlich”, berichtete die gebrechliche, geistig erstaunlich fitte Frau dem Gericht.

Mit einer Beute von 70 Euro gelang dem Täter die Flucht. Sein betagtes Opfer blieb mit einem Kiefer- und Nasenbeinbruch sowie einer Gehirnprellung liegen und musste 13 Tage im Spital behandelt werden. In Folge der Schläge hat sie auf einem Auge die Sehfähigkeit eingebüßt. “Ich hab’ was mitgemacht”, seufzte die 95-Jährige, ehe sie sich mit den Worten “Es hat mich trotzdem gefreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben!” von der Vorsitzenden verabschiedete.

Zwei Wochen zuvor hatte der Angeklagte eine 53-Jährige in ihrem Haus in einer Kleingartensiedlung in Altmannsdorf überfallen. Die Trafikantin hatte mit ihrem Bruder und dessen Frau gefeiert. Wenige Minuten, nachdem diese gegangen waren, läutete es. Im Glauben, ihre Schwägerin habe etwas vergessen, öffnete sie, worauf sie der 35-Jährige traktierte. Er erbeutete zwei Stangen Zigaretten und 150 Euro Bargeld. Die Frau kam mit Rippenbrüchen und einer Oberkieferfraktur ins Spital.

Als dem umfassend geständigen Angeklagten (“Ja, ich bin schuldig! Ich wollte mir etwas zum Essen kaufen”) die im Krankenhaus aufgenommenen Fotos gezeigt wurden, war selbst er entsetzt: “Hab’ ich das gemacht? War das wirklich ich?”

Der dritte inkriminierte Überfall spielte sich ebenfalls in Liesing ab, wo der Mann am 21. April bei einer 83-Jährigen anklopfte, die soeben vom Einkaufen heimgekommen war. Wieder ließ er die Fäuste sprechen, doch diesmal machte er keine Beute. Nachbarn störten ihn, als er die Einkaufstaschen nach Brauchbarem durchstöberte. Sein Fluchtversuch misslang, die Polizei konnte ihn unweit des Tatorts festnehmen.

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