Räuber nach sechs Jahren geschnappt

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Der Vater hat ihn als Jugendlichen hinaus geworfen, in seiner neuen Wohnung durfte er auch nicht bleiben, weil er seit Monaten die Miete nicht zahlen konnte.

„Mir ist damals alles über den Kopf gewachsen“, sagt der heute 27-Jährige. Aus Geldnot hat der Mann drei Geschäfte in Wien überfallen. Das war vor mehr als sechs Jahren. Seither hat er sich einen neues Leben aufgebaut und sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Dennoch musste sich der Mann wegen teils versuchten, teils vollendeten Raubes am Montag vor einem Wiener Schwurgericht verantworten.

Denn im Sommer 2006 klopfte die Polizei an seiner Tür. Durch eine daktyloskopische Auswertung eines Fingerabdrucks nach einem Überfall in einem Sonnenstudio sei man auf den 27-Jährigen gestoßen. Dieser gab sofort zu, damals – im Alter von 20 Jahren – nicht nur einen, sondern zwei weitere Überfälle verübt zu haben.

Der 27-Jährige wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten bedingter Strafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, das Urteil ist daher nicht rechtskräftig. Mildernd wurden sein Geständnis, sein ordentlicher Lebenswandel, dass der Mann bei der Tat unter 21 Jahre alt war und diese lange zurück liege, gewertet. Erschwerend war jedoch die Tatwiederholung.

„Mein Vater ist eine Führungspersönlichkeit. Wenn ich mit ihm Streit hatte, durfte ich niemanden mehr von der Familie sehen.“ Das Familienoberhaupt habe ihn nach mehreren Streitigkeiten und Handgreiflichkeiten rausgeschmissen. Die Miete für seine neue Mietwohnung konnte er nicht zahlen. „Ich bin nicht nachgekommen mit den Rechnungen. Ich habe ja heute noch Schulden von 18.000 Euro.“

Die Idee für den Überfall kam ihm durch die Medien. „Man liest es ja oft in den Zeitungen“, sagte der Angeklagte vor Jugendrichter Andreas Binder-Hautz, Er habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen. „Das seh ich heute ganz anders.“

Der Wiener kaufte sich eine Schreckschusspistole und überfiel eine Trafik. Nachdem das gut ging, versuchte er es bei einem Sonnenstudio. Doch die Angestellte gab dem jungen Mann kein Geld. Kurze Zeit später machte er Beute bei einem weiteren Sonnenstudio. Obwohl die Schulden immer noch nicht abbezahlt waren, kam es zu keinem neuerlichen Überfall. „Ich hab’s nervlich nicht mehr ausgehalten.“

In der Zwischenzeit hat sich der Mann mit seiner Familie versöhnt, lebt in einer Lebensgemeinschaft und verdient als Koch und Kellner sein Geld. „Ihn da mit einer Haftstrafe rauszureißen, wäre nicht sinnvoll“, meinte der Richter.

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