Rüsten für das Verdi- und Wagner-Jahr 2013

Im Jahr 2013 werden die 200. Geburtstage von Richard Wagner und Giuseppe Verdi begangen. "Das ist für unsere Welt sehr wichtig. Da gibt es bereits jetzt ein paar wichtige Sänger, die sehr gut gebucht sind", so der designierte Staatsopern-Chef Meyer.

Vorgestern war Meyer erstmals als designierter Staatsopern-Chef auf Kurzvisite in Wien und bekam von Direktor Holender bereits die Schlüssel des Hauses ausgehändigt. Auch auf seinem frisch übernommenen elektronischen Zugangskärtchen steht „Dominique Meyer – Direktor“, ganz ohne einschränkendes „designiert“. „Ich werde es nie vergessen, wie ich hier empfangen wurde“, schwärmte der 51-jährige Elsässer, „ich konnte alle treffen, bekam vom technischen Direktor eine Führung, die bis auf das Dach führte. Ich habe den ganzen Tag im Theater verbracht, es war wunderschön.“

Meyer erneuerte sein Bekenntnis zur Staatsoper als Repertoirebetrieb, nannte auf Nachfrage Kaija Saariaho, Thomas Ades und Wolfgang Rihm als Vertreter einer neuen „Generation von Komponisten, die recht schöne Opern machen wollen“, mit denen Uraufführungsprojekte denkbar seien. Gerade dabei könnten Koproduktionen von Bedeutung sein: „Wenn man eine neue Oper aufführt, ist es doch wichtig, dass man diese Oper auch an anderen Häusern sehen kann.“ Bei Barockopern möchte er „hinkommen, dass es ein natürlicher, selbstverständlicher Teil des Repertoires ist („Auch die erste Oper, ’Orfeo’, soll in einem solchen Theater von Zeit zu Zeit gespielt werden.“). Zum künftigen Budget wollte er sich nicht äußern:
„Ich habe das Budget gestern bekommen, lassen Sie mir etwas Zeit. Aber wenn Sie einmal im Leben einen Intendanten treffen, der mit seinem Budget zufrieden ist, ist der bereit für das Krankenhaus.“

Auf die Frage, ob er den Zeitpunkt der Direktionsentscheidung auch als sehr spät empfinde, antwortete Meyer: „Wir können wirklich keine Zeit verlieren.“ Im Jahr 2013 würden die 200. Geburtstage von Richard Wagner und Giuseppe Verdi begangen – „das ist für unsere Welt sehr wichtig. Da gibt es bereits jetzt ein paar wichtige Sänger, die sehr gut gebucht sind.“ Einen wichtigen Sänger erwähnte Meyer selbst: „Man hat viel von Herrn Shicoff gesprochen. Neil Shicoff ist ein großer Sänger, ein großer Künstler. Ich mag ihn sehr. Er ist Kammersänger und Ehrenmitglied dieses Hauses, und ich hoffe, dass er künftig öfters auf der Bühne auftreten und viel Erfolg haben wird.“ Als „schönste Sache“ bezeichnete Meyer die künftige Zusammenarbeit mit seinem Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst.

Dieser sagte „auf Österreichisch: Grüß Gott!“ – „Die Wiener Staatsoper ist nicht nur eine wichtige Institution für Österreich, sondern ein internationales Flaggschiff. Was hier passiert, hat Auswirkungen auf viele Theater und Opernhäuser in Europa und weltweit. Ich freue mich, dass ich diesem Haus ab 2010 musikalisch in einer führenden Stellung dienen darf.“ Er freue sich „riesig“ auf die Zusammenarbeit „mit diesem einzigartigen Orchester“ und darauf, für das Sängerensemble, das ihm ein großes Anliegen sei, die Verantwortung übernehmen zu können.“ Er bedankte sich für die Glückwünsche, „die mich überschwemmt haben“, besonders für die handschriftlichen Glückwünsche, die ihm der derzeitige Musikdirektor der Staatsoper, Seiji Ozawa, übermittelt habe.

„Dominique genießt eine unglaubliche Reputation unter seinen Kollegen“, sagte Welser-Möst, der gestern dem Zürcher Opernchef Alexander Pereira mitgeteilt hat, dass er Ende der kommenden Spielzeit sein Amt als Generalmusikdirektor in Zürich zurücklegen werde, „er wird ein wacher und spannender Partner sein.“ Eine detaillierte Aufgabenverteilung gebe es noch nicht („Er hat einen Vertrag und muss jetzt einmal einen Vertrag mit mir machen“, feixte er, „aber ich glaube an Handschlagqualität“), er werde sich um das Musikalische kümmern, aber vieles werde im Austausch passieren. „Ich stehe dazu: Die Letztverantwortung liegt bei dem Direktor der Staatsoper. Aber ich habe Dominique kennen gelernt als offenen und teamfähigen Menschen.“

Bezüglich struktureller Änderungen etwa für mehr Proben mit dem Staatsopernorchester verwies Welser-Möst einerseits darauf, dass er in dienstrechtlichen Dingen nicht der Verhandlungspartner sei, anderseits auf die Kürze der Entscheidung: „In der Früh habe ich auf Ihre Fragen ehrlich geantwortet: Ich weiß nichts. Am späten Vormittag habe ich einen Anruf aus dem Ministerium mit einer hypothetischen Frage bekommen, ob ich mir diese Lösung vorstellen kann, und nach einigen Stunden und einem langen Telefonat mit Dominique habe ich zu dieser hypothetischen Frage ja gesagt.“ Generell wolle er aber sagen, dass es falsch sei, „die Problematik der Proben einseitig auf das Orchester zu schieben. Leider Gottes haben wir in den letzten 30 Jahren eine Entwicklung erlebt, dass uns die Kapellmeister, die fähig sind, auch ohne Probe eine gute oder sogar außergewöhnliche Vorstellung zu dirigieren, abhanden gekommen sind.“ Von seiner Generation habe sich kaum mehr jemand die Mühe gemacht, „durch diese Mühle zu gehen“. Er selbst habe 54 Opern dirigiert, sowie an die 40 Premieren in Zürich. „Das ist ein Teil des Handwerks, das man erlernen sollte.“

Als nächster Schritt erfolgt die Ausschreibung des kaufmännischen Geschäftsführers der Wiener Staatsoper durch die Bundestheater Holding. „Das hat höchste Priorität“, erklärte Holding-Chef Georg Springer, der die Bestellung nach Anhörung des Direktors vorzunehmen hat.

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