Rote Riesensterne: Astronomen tagen ab dem 29. Juli in Wien

Am 29. Juli beginnt in Wien eine Astronomen-Tagung.
Am 29. Juli beginnt in Wien eine Astronomen-Tagung. ©EPA
"Why Galaxies Care About AGB Stars" lautet der Titel einer Astronomen-Tagung in Wien, die am Dienstag, den 29. Juli beginnt.

Sie sind extrem groß und hell, können alles andere als kugelförmig sein und liefern wichtige Bausteine des Universums: Pulsierende Rote Riesensterne oder AGB-Sterne sind für Forscher gleichsam interessant wie relevant für das Leben auf der Erde, erklärte der Astronom Thomas Posch.

Rote Riesensterne ein Thema der Tagung

Geht es im Lebenszyklus von Sternen von der Art unserer Sonne dem Ende zu, werden sie zu Roten Riesensternen. Sie blähen sich dann extrem auf und strahlen intensiv. “Weil sie so übermäßig hell sind, hat man Rote Riesen auch bereits außerhalb unserer Galaxie (der Milchstraße, Anm.) nachgewiesen”, so Posch. Aufgrund der Tatsache, dass sie etwa 100.000 Mal stärker leuchten als unsere Sonne, sind AGB-Sterne (“Asymptotic Giant Branch Stars”) bisher auch die einzigen, die in größeren Entfernungen einzeln detektiert werden können.

Der Titel der Konferenz sei so gewählt, weil es auch darum gehe, wie Galaxien von den Roten Riesen beeinflusst werden. Sie spielen nämlich eine große Rolle im Materiekreislauf, da sie ihre Umgebungen mit schweren Elementen und Festkörperpartikeln (“Staub”) anreichern. Ohne diese Anreicherung könnten auch erdähnliche Planeten nicht entstehen. Zudem produzieren sie Elemente, “die wir im Alltag brauchen, wie etwa Fluor”, so der Forscher vom Institut für Astrophysik der Universität Wien.

Neue Erkenntnisse über AGB-Sterne

In den vergangenen Jahren haben Wissenschafter neue Einsichten in die komplexe Struktur der Hüllen der AGB-Sterne gewonnen. Viele Erkenntnisse wären ohne die Daten des im vergangenen Jahr planmäßig außer Dienst gestellten “Herschel”-Weltraumteleskops der Europäischen Raumfahrtagentur ESA nicht möglich gewesen, erklärte Posch.

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung rücken Moleküle, die in den Hüllen der Sterne entstehen, immer stärker in den Vordergrund, so der Experte. “Da spielen die Roten Riesen eine Sonderrolle, denn die meisten Sterne – einschließlich unserer Sonne – sind zu heiß, um Moleküle beherbergen zu können. Hingegen ist es bei den Roten Riesensternen so, dass sie sogar eine sehr reichhaltige Chemie mit vielen Molekülen aus bis zu zwölf Atomen beherbergen.” Auf der anderen Seite wird auch die Rolle der kleinen Festkörperpartikel, die in AGB-Sternen entstehen, von 29. Juli bis 1. August an der Uni Wien diskutiert werden.

Internationale Forscher in Wien

Das rege Innenleben der Rote Riesensterne drückt sich darin aus, dass sich ihre Helligkeit in bestimmten Abständen um das hundert- bis zehntausendfache ändert. Anhand dieses “Pulsierens” können Forscher Rückschlüsse darauf ziehen, was sich im Inneren abspielt und wie die Sterne aufgebaut sind. Mit der landläufigen Vorstellung, dass Sterne in etwa kugelförmig sind, stimmt das Erscheinungsbild vieler Roter Riesen auch nicht überein: “Sie können aussehen wie Quallen, Spiralen oder Kometen – es gibt also fast alles, nur keine kugelförmigen, langweiligen Objekte”, so Posch. Auch das seien relativ neue Erkenntnisse, über die Forscher in Wien berichten werden.

Am 29. Juli findet um 19 Uhr im Hörsaalzentrum am Campus der Uni Wien im Rahmen der Astronomen-Tagung ein öffentlicher Abendvortrag des Astrophysikers Matthias Maercker von der Universität Göteborg statt. (APA)

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