"Rote Karte" für den "Königstiger"

Nach zahlreichen Entgleisungen aufs Abstellgleis - der Tiroler FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer ist am Donnerstag aus seiner Partei ausgeschlossenen worden.
Königshofer fliegt aus Partei
Antrag: Aufhebung der Immunität
Königshofers Internet-Postings

Zuletzt hatte er mit Wortmeldungen zu den Osloer Attentaten für Empörung gesorgt, aber schon in der Vergangenheit hatte er mit seinen Äußerungen vom rechten Rand immer wieder massive Kritik geerntet.

Das parteiinterne Fass zum Überlaufen brachte seine beharrliche Weigerung, seine jüngsten Aussagen zurückzunehmen. Königshofer, der sich auf seiner Homepage selbst als “Königstiger” bezeichnet, sah sich angesichts der Attentate von Oslo und Utöya dazu berufen, darüber nachzudenken, “dass in Europa jedes Jahr Millionen ungeborener Kinder schon im Mutterleib getötet werden”. Dieser Vergleich gefiel der Parteispitze ebenso wenig wie das Herunterspielen des Massakers gegenüber islamistisch motivierten Gewaltverbrechen.

Aufforderungen, seine Position zu überdenken, wollte der 58-jährige Königshofer nicht nachkommen – auch nicht nach der “gelben Karte”, die ihm FPÖ-Vizechef Norbert Hofer am Tag vor dem Ausschluss via Telefon vorgehalten hatte. Hofers Ratschlag, “einen anderen politischen Weg zu gehen”, ließ den Mandatar kalt. Er habe lediglich die “humane Forderung” aufgestellt, über den Wert des Lebens nachzudenken, sagte er mit Blick auf seine Verknüpfung von Attentat und Fristenlösung.

Da nutzte es auch nichts mehr, dass Königshofer am Donnerstag sein Facebook-Profil aus dem Netz nahm. Auch dort war das ehemalige Mitglied der mittlerweile verbotenen rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP) aufgefallen. Zum Massaker in Norwegen postete er etwa, dass die islamistische Gefahr in Europa schon tausendmal öfter zugeschlagen hätte als der Attentäter von Norwegen. Und auch Königshofers “Freunde” im sozialen Netzwerk gefielen den Partei-Granden immer weniger.

Die aktuellen Entgleisungen sind freilich nicht die ersten des Tirolers. Im Vorjahr bezeichnete er etwa den grünen Landtagsabgeordneten Gebi Mair in einem Internetposting als “Landtagsschwuchtel”. Ebenfalls 2010 schrieb er Kardinal Christoph Schönborn ein E-Mail, in dem er diesem riet, sich besser um die “warmen Brüder” zu kümmern, anstatt Barbara Rosenkranz – damals Bundespräsidentschafts-Kandidatin – zu kritisieren. Seinen Facebook-Account nutzte er auch im Mai für einen Ausrutscher, indem er einen marokkanischen Asylwerber als “Kanaken” beschimpfte.

Die lockere Hand auf der Tastatur könnte dem Ex-Freiheitlichen auch einen oder mehrere Auftritte vor Gericht einbringen. Derzeit liegt eine Anzeige wegen des Verdachts der Verhetzung bei der Staatsanwaltschaft Wien. Königshofer hatte auf seiner Homepage ein Dokument mit dem Titel “Tirol oder Türol” gepostet, die unter anderem Angriffe auf Muslime beinhaltete, der Grüne Abgeordneten Karl Öllinger brachte die Sache zur Anzeige.

In einer weiteren Causa hat das Landesgericht Innsbruck dieser Tage die Aufhebung der parlamentarischen Immunität des “Tigers” beantragt. Grund ist eine Privatanklage des Datenforensikers Uwe Sailer wegen übler Nachrede. Dabei geht es um die Behauptung Königshofers, dass Sailer in seinem Namen elektronische Post an die Neonazi-Homepage “alpen-donau.info” geschickt habe. In diesem Zusammenhang haben Sailer und sein Anwalt auch eine Strafanzeige nach dem NS-Verbotsgesetz gestellt, da laut ihrer Information Königshofer dieses Mail selbst an die Neonazi-Seite weitergeleitet haben soll.

Übrigens: Als “Königstiger” ist nicht nur eine Raubkatze bekannt, sondern auch ein Panzer der deutschen Wehrmacht. Königshofer verlinkt denn auch von seiner Homepage auf ein Schweizer Militärmuseum, in dem ein Exemplar verwahrt wird.

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