Richtig blitzen will gelernt sein

Der Blitz ist ausschlaggebend für gute Fotos.
Der Blitz ist ausschlaggebend für gute Fotos. ©Canon
Praktisch jede Kamera hat einen kleinen Blitz eingebaut, sein richtiger Einsatz ist aber gar nicht so einfach, wie man glaubt. Verlässt man sich auf die Automatikeinstellungen, sind korrekt belichtete Aufnahmen ein Glückspiel, wenn man weiß, worauf man beim Blitzen zu achten hat, kann man jedoch auch bei ungünstigsten Lichtverhältnissen eindrucksvolle Resultate erzielen.

Wer kennt sie nicht, die Touristen, die den Stephansdom bei Nacht mit Blitz fotografieren und sich dann wundern, dass auf dem Bild praktisch nichts zu erkennen ist? Das Blitzlicht hat eine sehr begrenzte Reichweite, die je nach Gerät bei zur drei bis vier Metern liegen kann, und leuchtet damit zwar eine Person im Vordergrund aus, für ein Gebäude oder gar die Landschaft im Hintergrund reicht das Licht unter gar keinen Umständen aus.

Tipps bei Nachtaufnahmen

Um ein größeres, weiter entferntes Motiv auch im Dunkeln noch aufs Bild zu kriegen, ist es notwendig, die Kamera auf ein Stativ zu stellen, und dann eine möglichst lange Belichtungszeit zu wählen – auf diese Weise entstehen schöne Nachtaufnahmen, eine Person im Vordergrund kann man auf Grund der fehlenden Ausleuchtung des Gesichts jedoch nicht mehr erkennen.

In dieser Situation bietet sich eine Kombination aus beiden Techniken an: Langzeitbelichtung für den Hintergrund, und Blitz für ein perfektes Porträt. Der Blitz ist nur ein paar Hundertstelsekunden lang und schießt, während die Blende offen ist, in die Nachtaufnahme hinein. Alles, was sich außerhalb seiner Reichweite befindet, wird durch die auf das Gesamtbild abgestimmte Kombination aus Belichtungszeit und Blende richtig belichtet, der Vordergrund dagegen wird durch den Blitz direkt angestrahlt und entsprechend stark aufgehellt.

Die meisten Kameras haben für solche Fotos eine eigene Einstellung, dennoch sind auf ein paar Grundregeln zu achten. So muss bei langen Belichtungszeiten unbedingt ein Stativ verwendet, oder zumindest die Kamera irgendwo auf einer Mauer, einem Tisch o.ä. aufgelegt werden, damit der Hintergrund nicht verwackelt wird. Die zu fotografierende Person sollte während dieser Zeit aber auch möglichst ruhig und bewegungslos verharren, da ansonsten unschöne Doppelkonturen oder Geisterbilder entstehen.

Manuelle Einstellungen der Belichtungszeit

Wer sich nicht auf die Automatik verlassen will, sondern lieber selbst mit ISO-Empfindlichkeit, Blende und Belichtungszeit jongliert, sollte sich vor Augen halten, dass sich eine Änderung der Belichtungszeit zwar auf den Hintergrund auswirkt, aber keinen Einfluss auf die Darstellung des vom Blitz ausgeleuchteten Motivs hat, da hier die Dauer des Blitzes entscheidend ist. Eine Änderung der Blende hingegen wirkt sich ebenso auf das gesamte Bild aus wie die ISO-Einstellung. Soll nun der Vordergrund weniger stark ausgeleuchtet werden, weil etwa das Gesicht weiß überstrahlt erscheint, muss die Blitzleistung reduziert werden – da man diese Option im Alltag eher selten verwendet, muss man unter Umständen etwas herumsuchen, bis man den richtigen Menüpunkt gefunden hat, aber es ist in der Praxis durchaus lohnenswert, auch mit diesen Einstellmöglichkeiten ein wenig herumzuexperimentieren.

Aber auch bei hellem Tageslicht kann der eingebaute Blitz eine wertvolle Hilfe sein – etwa, wenn eine Person im Gegenlicht steht, also der eigene Schatten das Gesicht verdeckt. Der Blitz fungiert dann als Aufheller, wobei auch hier eine manuelle Anpassung der Blitzleistung Wunder wirken kann.

Was das Arbeiten mit dem Blitz vor allem für Benutzer, die bereits im Digital-Zeitalter zu fotografieren begonnen haben, so schwierig macht, ist die Tatsache, dass man das Resultat nicht schon vorab auf dem Display sehen kann, sondern erst nach dem Auslösen erkennt, ob das Bild gelungen ist oder nicht. Womit es der Digital-Fotograf noch immer viel einfacher hat als seine analogen Vorgänger – die mussten oft wochenlang auf ihre Bilder warten und hatten dann keine Chance mehr, die Aufnahme zu wiederholen, wenn sie nichts geworden ist.

(Text: Uwe Fischer)

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