Richter mit Bauchstich bedroht

Bild: VMH
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Weil sie einem Richter mit einem Stich in den Bauch gedroht hatte, ist eine 54-jährige Frau am Freitag im Wiener Straflandesgericht zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt worden.

Sie protestierte dagegen heftig und legte gegen den Schuldspruch wegen gefährlicher Drohung unverzüglich Rechtsmittel ein.

Die Mittfünfzigerin sorgt seit mehreren Jahren im Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen für Unruhe. Kanzleikräfte ließen sich versetzen, um mit der resoluten, wortgewaltigen Akademikerin – sie hat zwei Studien abgeschlossen – nicht mehr telefonieren oder gar persönlich in Kontakt treten zu müssen. Eine junge Vertragsbedienstete brach zuletzt sogar am Arbeitsplatz in Tränen aus, nachdem sie von der Frau heftig beschimpft worden war.

Vor allem aber hat es die 54-Jährige auf jenen Richter „abgesehen“, der mit ihrem Sachwalterschaftsverfahren betraut ist. Die Akademikerin leidet einem Gutachten des renommierten Psychiaters Reinhard Haller zufolge an einer Persönlichkeitsstörung, die es ihr nach Einschätzung der Behörden unmöglich macht, Rechtsgeschäfte ohne juristischen Beistand zu erledigen.

Die Frau sieht das anders. Seit 1999 bekämpft sie entsprechende gerichtliche Beschlüsse. Ihm Jahr 2001 erschien sie im Büro „ihres“ Richters auf und ergriff einen Brieföffner, um ihn dazu zu bringen, das Sachwalterschaftsverfahren einzustellen. Da habe er noch „keine richtige Angst gehabt“, verriet der Zivilrichter nun im Straflandesgericht: „Sie kann halt furchtbar explodieren. Aber in der nächsten Sekunde wieder nett sein.“

Seine Einschätzung änderte sich erst, als ihn die Frau im Sommer 2005 anrief und ihm unverhohlen drohte, sie werde ihm „ein Messer in den Bauch rammen“. „Es wird Blut fließen“, soll sie auch noch gerufen haben. Da legte der Richter einen Aktenvermerk an, und als er hörte, dass sich Mitarbeiter und Kollegen längst vor der auffälligen Frau ängstigten, die immer wie bei Gericht auftauchte, und weiters mitbekam, dass diese begonnen hatte, Recherchen zu seinem Privatleben anzustellen, wurde Anzeige erstattet.

Als Beschuldigte leugnete die 54-Jährige nun, den Richter eingeschüchtert zu haben. Sie sprach von einem „fingierten Aktenvermerk“, sämtliche gegen sie gerichteten Vorwürfe seien „aus der Luft gegriffen“.

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