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Richter am Fußballplatz: Ein detailierter Blick auf Schiedsrichter in Wien

Schiedsrichter in Wien: Ein undankbarer Job zwischen Leidenschaft und Wahnsinn.
Schiedsrichter in Wien: Ein undankbarer Job zwischen Leidenschaft und Wahnsinn. ©APA
Beleidigungen, Beschimpfungen und herbe Kritik. Ein Fußballspiel zu leiten ist eine recht undankbare Aufgabe. Dennoch strahlt der Job des Schiedsrichters eine eigenartige Faszination aus. Wir wagten einen Blick hinter die Kulissen und sprachen mit Patrick Neuwirth, aktiver Schiedsrichter und stv. Obmann der IG Referee, über Ausbildung sowie Aufgaben und erfuhren was Schiedsrichter mit Tormännern gemeinsam haben.

Im Moment sind etwa 2500 Schiedsrichter in Österreich angemeldet. 22 davon sind in der Bundesliga aktiv. Der Druck, der dabei auf den Spielleitern lastet, ist enorm. Jede Bewegung wird penibel beobachtet, fast jede Entscheidung lautstark kommentiert. Am Ende hat man so gut wie immer eine Seite verärgert. Warum man sich trotzdem dafür entscheidet? „Es hat einen gewissen Reiz weil du einen Blickwinkel auf den Fußball kriegst, den nur sehr wenige Leute haben”, erklärt Referee Patrick Neuwirth. Der 25-jährige Wiener ist seit 2008 als Schiedsrichter tätig und fungiert auch als stellvertretender Obmann der IG Referee.

Wie wird man eigentlich Schiedsrichter?

Nicht jeder Fußballinteressierte ist ohne weiteres als Spielleiter geeignet, ganz gleich wie gut er das Regelwerk beherrscht. „Man muss jemand sein der sich durchsetzen kann, der gern mit Menschen umgeht. Es bringt dir gar nix wenn du jemand bist der nicht gern redet, der nicht gern Dinge erklärt und Entscheidungen trifft”, erklärt Neuwirth. Bringt man diese Persönlichkeitseigenschaften allerdings mit, werden einem auf dem Weg zum Schiedsrichter nur mehr kleine Steinchen in den Weg gelegt. Die Webseite schiri.at fungiert als zentrale Anlaufstelle in Österreich. Dort werden alle Grundlehrgänge und Kurse für Schiedsrichteranwärter kostenlos angeboten. In Wien sind sechs Module und ein abschließender Lauftest zu absolvieren.

In ständiger Beobachtung

Als aktiver Schiedsrichter ist man gleich zu Beginn einer regelmäßigen Beobachtung und Bewertung ausgesetzt. In den unteren Klassen geschieht dies vier Mal pro Saison, ab der Regionalliga in jeder Partie. Das obligatorische Schulnotensystem, welches sich in der Bundesliga etabliert hat, greift dabei auch schon im Nachwuchs ein. Zusammen mit den Trainingspunkten, von denen jeder Schiedsrichter eine bestimmte Anzahl zu erreichen hat, ergibt sich ein Ranking, welches bestimmt in welcher Spielklasse man pfeifen darf. Für die notwendige Fitness sorgt ein verpflichtendes und regelmäßiges Training. Dabei wird vor allem an der Ausdauer und der Lauftechnik gefeilt. „Es ist ein anderes Bewegungsmuster, das muss trainiert werden”, erklärt Neuwirth.

Eine Karriere mit Pfiff?

Pfeift man fleißig auf dem Platz und bleibt fehlerfrei landet man früher oder später in der Bundesliga. Das wäre die Idealvorstellung. In der Regel sieht es allerdings ein wenig anders aus. „Die Entscheidung in der Bundesliga zu pfeifen liegt nicht bei dir. Da ist sehr viel Glück dabei.” Ist man an der Spitze des Landesverbands angekommen gilt es abzuwarten. „Dann hängt es davon ab ob die Bundesligagremien sagen wir brauchen jemanden, und ja, wir wollen genau diesen haben.” Die Aufstiegschancen im derzeitigen System laufen laut dem stellvertretendem Obmann der IG Referee allesamt in einem einzigen Grundsatz zusammen. „Je weniger du sprichst und je mehr du funktionierst, desto größer sind deine Chancen.”

Der gewisse Schuss im Kopf

Als Schiedsrichter braucht man ein Gespür für das Spiel und eine starke Persönlichkeit. Nur wer in jeder Partie entschlossen auftritt und auf die einzelnen Spielertypen eingehen kann wird auch am Feld akzeptiert. “Letztendlich geht es darum, dass du von den Spielern etwas haben willst und ihnen das irgendwie verkaufen musst.”

Auf die Frage ob jeder den Job als Spielleiter auf dem Platz ausüben könnte, hatte Neuwirth eine klare Antwort: „Ich glaube nicht. Mein Vater hat mich einmal darauf hingewiesen, dass Schiedsrichter bisschen wie Tormänner sind. Die brauchen auch so einen gewissen Schuss im Kopf, damit sie das machen. Wahrscheinlich stimmt das sogar.”

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