Restituierte Schwind-Mappe wird ausgestellt

Wien Museum
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Die vom Wien Museum jüngst restituierte Mappe mit 30 Federzeichungen von Moritz von Schwind soll voraussichtlich verkauft, zuvor aber noch öffentlich zugänglich gemacht werden. Das wurde im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Ort und Zeit einer Ausstellung stünden noch nicht fest, sagte der Vertreter der Erben, der Wiener Anwalt Andreas Nödl. Da das Thema des Zyklus „Figaros Hochzeit“ sei, würden sich allerdings Salzburg und das Mozartjahr anbieten. Über einen eventuellen Rückkauf durch das Wien Museum hat es laut Nödl bisher noch keine Gespräche gegeben.

Wert der Mappe im einstelligen Hunderttausend-Euro-Bereich

Der Wert der Mappe bewegt sich laut Nödl „im einstelligen Hunderttausend-Euro-Bereich“. Das sei immer noch ein Bruchteil dessen, was dem ursprünglichen Besitzer, dem jüdischen Wiener Universitätsprofessor Joseph Hupka, rechtmäßig gehört habe, so der Vorsitzende der Wiener Restitutionskommission, Walter Helmich. So ist Nödl u.a. auf der Suche nach Goya-Radierungen („Caprichos“, „Tauromaquia“, „Desastres de la Guerra“) oder einem Spitzweg-Gemälde („Kinder im Walde“), die sich ebenfalls in Hupkas Sammlung fanden. Die Restitutionskommission hat laut Helmich allerdings Abstand davon genommen, Restitutions-Objekte schätzen zu lassen, um keine Diskussion über das Verhältnis des Werts und des Aufwands der Nachforschungen aufkommen zu lassen.

Die Schwind-Mappe gehörte zur 1939 zerschlagenen Sammlung Joseph Hupkas. Um Geld für die Flucht seiner Familie aufzutreiben, verkaufte Hupka 1939 die Mappe, deren Ausfuhr ihm verboten worden war, um 20.000 Reichsmark an die Städtischen Sammlungen. Dem Ehepaar Hupka gelang 1939 zunächst die Flucht in die Niederlande, 1944 wurde es dort aber festgenommen und im selben Jahr im KZ (Hupka in Theresienstadt, seine Frau in Auschwitz) ermordet. Ein Antrag des in den USA lebenden, 2001 verstorbenen Sohnes und der in England lebenden Tochter auf Rückstellung der Mappe wurde 1950 von der Obersten Rückstellungskommission beim Obersten Gerichtshof mit der Begründung abgelehnt, dass Hupka bereits vor 1938 versucht habe, die Mappe zu verkaufen. Im Vorjahr wurde der Fall neu aufgerollt und schließlich von der Wiener Restitutions-Kommission positiv entschieden.

Bereits 2.900 Objekte zurück gegeben

In 34 Fällen führte die aktive Erbensuche der Museen der Stadt Wien seit 1999 zum Erfolg, insgesamt 2.900 Objekte wurden bereits zurückgegeben. In 19 Restitutionsfällen ist das Wien Museum noch auf der Suche nach Erben. Gelingt es nicht, diese ausfindig zu machen, erhält der Nationalfonds die Objekte zur Versteigerung. Dasselbe soll mit 145 Objekten, die die damalige städtische Sammlung in der NS-Zeit von der VUGESTA (Verwertungsstelle für jüdisches Umzugsgut der Gestapo) erworben hat und bei denen keine Anspruchsberechtigten festgestellt werden konnten, sowie mit mehr als 200 Objekten des ehemaligen VUGESTA-Schätzmeisters geschehen. Mit der Veröffentlichung der Listen ungeklärter Erwerbungen auf der Homepage des Wien Museums, wo auch die Restitutionsberichte 2002 und 2003 einsehbar sind, hofft man immer noch, Erben zu finden.

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