Reisende von Südbahnhof-Sperre wenig berührt

Der Bahnhof Wien Meidling ist Wiens größter Umsteigebahnhof. 65.000 Reisende soll es laut ÖBB-Statistik täglich geben. Seit ein wegen "Emma" umgestürzter Kran am Samstag die Zufahrt zum Südbahnhof verhindert, sind es um einige Tausend mehr.

Das große Chaos blieb am Montag trotz vieler Pendler aus, zeigte ein Lokalaugenschein in der Früh am Bahnhof Meidling.

Mit den größten Warteschlangen schienen nicht die ÖBB, sondern die Wiener Linien zu kämpfen zu haben. Zwei lange Reihen von Studenten standen an den Schaltern nahe der U6 um ihr neues Semesterticket an. Der Bahnhof Meidling selbst, ein paar Schritte weiter, ist eine große Baustelle. Die Reisenden werden mit Hilfe der gelben Holzabsperrwänden von den Geleisen zu den Ausgängen gelotst. Im Fünf-Minuten-Takt kommen neue Züge an. “Natürlich” seien es sehr viel mehr Reisende, sagte eine 41-jährige Trafikantin, an deren Verkaufsstände die Pendler vorbeiströmen.

Auch die Zugfahrenden selbst sind von der Sperre wenig bis gar nicht betroffen. “Ich bin ganz normal gefahren, ich steige immer in Meidling aus”, sagte ein 50-jähriger Pendler. “Schon einen zusätzlichen Zeitaufwand” bescherte der gesperrte Südbahnhof einer 38-jährigen Wiener Neustädterin. Früher aufgestanden ist sie deswegen aber nicht, “weil ich mein eigener Chef bin”, erklärte sie. Wenig gestresst zeigten sich auch zwei 23-jährige Männer: “Wir können es uns aussuchen, ob wie hier oder am Südbahnhof aussteigen. Wenn man es früh genug weiß, dann geht’s.” Ihr Zug aus Kärnten ist zehn Minuten verspätet angekommen.

Alle fünf Minuten werden die Reisenden per Ansage über den gesperrten Südbahnhof informiert. Auf den Bahnsteigen 1 und 2 können sie mit der S-Bahn zum Südbahnhof fahren. Ein Zugführer wartete, bis alle Passagiere eingestiegen waren. Viele Beschwerden habe es nicht gegeben, berichtete er. Auch drei Arbeitskollegen mussten extra umsteigen. “Wir arbeiten am Südbahnhof, eh bei den ÖBB”, erklärte eine 19-Jährige. Beschweren können auch sie sich nicht: “Es kann ja kein Mensch etwas dafür, wenn ein Kran umfällt.” Außerdem habe man ja Glück im Unglück gehabt: “Wir hätten alle Pech, wenn es hier keinen Zugang zur S-Bahn gebe. So funktioniert das ganz gut”, sagte sie.

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