Regierung gedachte in Wien des Bürgerkriegsbeginns im Februar 1934

Die Regierung legte gemeinsam einen Kranz nieder.
Die Regierung legte gemeinsam einen Kranz nieder. ©APA
Am Dienstag haben Regierungsmitglieder von SPÖ und ÖVP gemeinsam des Bürgerkriegsbeginns am 12. Februar 1934 gedacht. Am Wiener Zentralfriedhof legten Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) einen Kranz beim Mahnmal der Opfer für ein freies Österreich nieder.
Kranzniederlegung in Wien

Fast alle Regierungsmitglieder, die Klubobleute von SPÖ wie ÖVP sowie Vertreter von Opferverbänden und Religionsgemeinschaften hatten sich am Zentralfriedhof eingefunden, um der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen sozialdemokratischem Schutzbund und dem Verband aus Bundesheer, Polizei und den teils faschistischen, regierungstreuen Heimwehren zu gedenken. Vertreter beider Parteien sprachen von einem wichtigen symbolischen Akt, der das Gemeinsame vor das Trennende stelle.

Gedenken und Mahnung für die Zukunft

Eine “Mahnung für die Zukunft” sah dementsprechend Vizekanzler Spindelegger nach der Kranzniederlegung. “Wir gedenken heute aller Opfer, die für ein freies Österreich gekämpft haben.” SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder sprach von einem Zeichen, dass ganz bewusst die Gräben zwischen beiden Parteien überbrückt werden. Und sein ÖVP-Gegenüber Reinhold Lopatka würdigte die Aufarbeitung, welche an der Sache und nicht an Emotionen orientiert sei.

Dollfuß sorgt weiter für Diskussionen

Inhaltlicher Streitpunkt ist nach wie vor das Porträt des ehemaligen Bundeskanzlers und Begründers des austrofaschistischen Ständestaats, Engelbert Dollfuß, im Parlamentsklub der ÖVP. Spindelegger plädierte für eine differenzierte Sichtweise, sei Dollfuß doch auch eines der “ersten Opfer” der Nationalsozialisten gewesen. “Man muss ihn als das sehen, was er ist. Das alles gehört mit einem nüchternen Blick aufgearbeitet, ohne dass man irgendetwas beschönigt.”

Spindelegger kann sich, wie vom Parlamentsklub schon angekündigt, auch persönlich vorstellen, das umstrittene Porträt etwa mit einem von Historikern erarbeiteten Text zu versehen, denn: “Mit dem Abhängen eines Bildes ändert man die Geschichte nicht.” Lopatka wiederum erinnerte daran, dass man die Person Dollfuß nicht völlig von der Parteigeschichte trennen könne. Die ÖVP sei zwar nach dieser Zeit neu gegründet worden, die handelnden Personen seien aber in vielen Bereichen die selben geblieben, meinte er.

SPÖ-Klubobmann Schieder begrüßte die von der ÖVP angekündigte Neubewertung des Themas als “ersten Schritt”. Dennoch sei es “schwer zu akzeptieren, dass ein solches Porträt in den Klubräumen hängt”. Ob dieser erste Schritt genug sei, “wird man sehen”.

Gedenkfeiern zum 12. Februar

Die Gedenkfeiern zum 12. Februar sind ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der Sozialdemokraten. Ein gemeinsames Erinnern ehemals verfeindeten Lager hat es erst einmal gegeben: 1964 haben der damalige ÖVP-Bundeskanzler Alfons Gorbach und SPÖ-Parteichef Bruno Pittermann einen Kranz niedergelegt. (APA)

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