Reformjuden beklagen mangelnde Dialogbereitschaft der Kirche

©© www.orchadasch.at
Die jüdisch-liberale Gemeinde Wiens klagt über mangelndes Interesse der katholischen Kirche am Dialog.

Der Präsident der jüdisch-liberalen Gemeinde “Or Chadasch”, Theodor Much, bedauerte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien, dass die Kirche nicht auf die offiziellen Einladungen zur Teilnahme am Reformjudentum-Kongress in Wien reagiert habe. Trotzt mehrmaliger Versuche sei es “Or Chadasch” nicht gelungen, einen katholischen Vertreter für die Veranstaltung zu gewinnen.

Ziel des viertägigen Kongresses sei es, Vorurteile gegen das liberale Judentum abzubauen, erklärte der “Or Chadasch”-Präsident und ergänzte, dass die Aufklärung der Menschen über das Reformjudentum sehr wichtig sei. Traditionalisten würden dem Reformjudentum eine Zerstörung der Religion vorwerfen, erklärte Much. Außerdem sei es vielen ein Dorn im Auge, das Frauen bei den Anhängern des Reformjudentums vollkommen gleichberechtigt seien. “Das Judentum war schon immer pluralistisch”, betonte Much. Es gebe keine Einheit und dies sei das Problem.

Der Kongress setzt sich laut Veranstaltungsplan neben Gottesdiensten aus vielen unterschiedlichen Workshops zusammen. Der Status der Frau im Judentum wird genauso besprochen werden, wie das Aufbauen einer Gemeinde und die Verbindungen zwischen Europa und Israel. Außerdem werden ethische Fragen zur Globalisierung behandelt sowie die Geschichte der Juden in Mittel- und Zentraleuropa.

In Wien wurde erst 1990 die erste Reformgemeinde “Or Chadasch” (hebräisch: “neues Licht”) gegründet. Theodor Much führt diese späte Entwicklung auf die “Bevölkerungsstruktur und die Zuwanderung aus dem Osten” zurück, da es dort kein liberales Judentum gab. Seither ist “Or Chadasch” auch Mitglied der “Weltunion für progressives Judentum” (World Union for Progressive Judaism). Laut Much bekommt “Or Chadasch” keine Subventionen und finanziert sich nur aus Mitgliedsbeiträgen. Das Reformjudentum ist nach Angaben von “Or Chadasch” die zahlenmäßig größte Strömung im Judentum und vor allem in Deutschland sehr verbreitet.

Der Reformjudentum-Kongress findet alle zwei Jahre im März statt und fällt heuer mit dem 70. Jahrestag des “Anschlusses” zusammen. Über 200 Teilnehmer werden zwischen 13. und 16. März in der Bundeshauptstadt erwartet – darunter führende Rabbiner, Vertreter aller europäischen Reformgemeinden sowie die gesamte Führung der Weltunion.

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