Red Army - Trailer und Kritik zum Film

Eishockey mag hierzulande nicht der populärste Sport sein. Und auch die Ära des Kalten Krieges dient heute angesichts der jüngsten geopolitischen Spannungen vor allem als unangenehm aktuelle historische Referenz.

Und dennoch – der Dokumentarfilm “Red Army” (ab Freitag im Kino), eine vergnüglich-berührende Mischung aus Eishockey-Porträt und politischem Lehrstück, ist eine dringende Empfehlung.

Red Army – Die Geschichte

US-Regisseur Gabe Polsky, selbst Sohn russischer Einwanderer, hat sich der Geschichte der legendären sowjetischen Eishockey-Nationalmannschaft angenommen – und mit deren Star Slawa Fetissow eine Person als Erzähler ins Zentrum gerückt, die spannender nicht sein könnte. Fetissow ist nicht nur einer der erfolgreichsten und besten Eishockey-Spieler der Welt gewesen, er entpuppt sich im Lauf des Films auch als Ehrenmann mit Prinzipien und Sportheld mit dem Herz am rechten Fleck.

Dabei macht er anfangs gar nicht den Eindruck einer besonders liebenswerten Figur: Unwirsch gibt er Polsky, der aus dem Off Fragen stellt, mit dem Handy in der Hand zu verstehen, dass er noch Dinge zu erledigen habe. Und während die unzähligen Auszeichnungen des Mannes eingeblendet werden (u.a. ist ein Asteroid nach ihm benannt worden) und Polsky erneut versucht, seine Ideen zu erläutern, zeigt er ihm beiläufig den Mittelfinger, ohne den Blick von seinem Handy zu heben.

Doch man sollte keine voreiligen Schlüsse ziehen, hat Fetissow doch einen langen Weg hinter sich – von der Kindheit in Armut über die Schindereien im sowjetischen Eishockey-Team, der “Red Army”, bis hin zum hart erkämpften Erfolg in der NHL und zurück in die russische Gegenwart an der Seite von Wladimir Putin. Und auch wenn die charismatische Person im Zentrum des Films steht, ist die Doku doch auch weit mehr als nur die Biografie eines großen Athleten.

Red Army – Die Kritik

Das erfolgreiche Eishockey-Team galt in den 1980er-Jahren als Beweis dafür, dass die Sowjetgesellschaft das bessere System war, wird gleich zu Beginn zur Einordnung der großen symbolischen Bedeutung des sportlichen Erfolgs erläutert. Und Polsky thematisiert noch viel mehr: den Glauben an das eigene Land, das letztlich der Liebe zur Freiheit im Wege stand, die Philosophie des Sports, die von einer Kunstform zum Propagandainstrument mutierte, die Freundschaft, die den Verrat überlebte.

Wer in den 1990er-Jahren das erste Eishockey-Computerspiel in 3D (“NHL 97”) spielte, erinnert sich mit Sicherheit noch an die Detroit-Legenden Fetissow, Larionow oder Fedorow. Wie schwierig es für die russischen Stars einst war, in den USA Fuß zu fassen (und wie groß die Verehrung für die Stanley-Cup-Sieger heute noch ist), ist aber wohl den wenigsten bewusst. Umso mehr ist dem Filmladen-Verleih zu danken, dass er die bei der Viennale gezeigte Doku nun auch regulär ins Kino bringt – ein fesselnder Film für Sportfans ebenso wie für jene, die schlicht eine faszinierende Geschichte auf der Leinwand sehen wollen.

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(APA)

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