Reaktionen zur Hickersberger- und Löw-Sperre

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt/Main ist am Mittwoch gegen 15.00 Uhr von der Kontroll- und Disziplinar-Kommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) von der Sperre seines Teamchefs Joachim Löw offiziell informiert worden.

Parallel dazu wurde DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach von UEFA-Kollegen David Taylor diesbezüglich kontaktiert. Der Betroffene gab sich in einer ersten Stellungnahme wortkarg. “Ich muss die UEFA-Entscheidung zur Kenntnis nehmen und möchte sie nicht kommentieren”, sagte Löw.

Der 48-Jährige fügte nur noch hinzu, dass er “natürlich maßlos enttäuscht” sei. Andere Offizielle im DFB-Lager nahmen zu dem Urteil ausführlicher Stellung. So meinte Niersbach: “Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass kein Fehlverhalten des Bundestrainers vorlag. Im Viertelfinale ist das jetzt ein Handicap, mit dem die Mannschaft fertig werden muss.” Und Teammanager Oliver Bierhoff erklärte in Tenero, im Schweizer Quartier der Deutschen: “Für den Fußball ist diese Entscheidung eine schwere Niederlage.”

Die Aktiven könnten dieses Urteil der UEFA nicht nachvollziehen und hätten absolut kein Verständnis dafür. Und Bierhoff weiter: “Löw hat niemanden beleidigt – das kommt auch im Schiedsrichter-Bericht klar zum Ausdruck. Ich bin jedoch optimistisch, dass die UEFA-Sperre für Löw und unsere Mannschaft nur noch zusätzlich motiviert und wir die richtige Antwort auf dem Platz geben werden.”

Der DFB-Präsident teilte die Enttäuschung der sportlichen Leitung in vollem Umfang und versteht, dass sich “unser Bundestrainer ungerecht behandelt fühlt,” erklärte Theo Zwanziger, der sich ganz sicher ist, dass durch das Urteil die Mannschaft einen zusätzlichen Motivationsschub gegen Portugal erhalte. “Sie will ihren Trainer im EM-Halbfinale wieder auf der Bank haben!”

ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger sprach angesichts der Sperre gegen ihn und seinen deutschen Kollegen Joachim Löw von einer “himmelschreienden Ungerechtigkeit”,vor allem Löw gegenüber, dessen Team noch im Bewerb ist. Wenn behauptet werde, dass sich Löw und er angeschrien hätten, so sei diese Darstellung unglaublich, da sie in keiner Weise der Realität entspreche und völlig aus der Luft gegriffen sei.

Die Strafe müsse er wohl oder übel zur Kenntnis nehmen, meinte Hickersberger. Sie beruhe freilich auf einer Behauptung, die nicht der Wahrheit entspreche.

ÖFB-Präsident Friedrich Stickler springt in dieser Causa dem Teamchef zur Seite: “Wer Josef Hickersberger und seine Umgangsformen, insbesondere seinen Respekt vor Trainerkollegen wie Joachim Löw, kennt, der weiß, dass es mit Sicherheit kein Schreiduell oder Streitgespräch während des Spiels gegeben hat.” Als Mitgliedsverband der UEFA sei die Entscheidung aber zu akzeptieren.

ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig kritisierte, dass es formal keine Möglichkeit für einen Protest gebe. Es sei bedauerlich, dass man einen “untadeligen Trainer” wie Hickersberger und dessen Kollegen Löw mit einer derartigen Unterstellung eine Spielsperre auferlegen könne. Es entspreche zudem nicht “unserem” Demokratieverständnis, dass man den Betroffenen gegenüber einer Behauptung eines vierten Offiziellen – außer einer schriftlichen Stellungnahme – keinerlei darüber hinausgehende persönliche Anhörung einräume.

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