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Raum, Räumer, am Räumsten: Zilvinas Kempinas in der Kunsthalle

Der litauische Installationskünstler Zilvinas Kempinas bastelt in seiner Werkschau in der Wiener Kunsthalle Räume. Bis zum 25. Jänner ist die karge, fesselnde Ausstellung zu sehen.

Ventilatoren halten filigrane Videoband-Ringe in der Luft, als flirrende Skulptur an der Wand, oder mitten im Raum, oder gar den ganzen Raum einnehmend. Vorbeischlängeln geht kaum, ohne dass sich das Band an der Tasche oder am Jackenärmel verheddert, im entscheidenden Moment unten durch zu tauchen verspricht mehr Erfolg. Einen “sinnlichen Parcours” hat Kempinas aufgebaut, wie Kunsthallen-Direktor Gerald Matt bei der heutigen Pressekonferenz sagte.

“Ein formales Spektakel, das die Abstraktion selbst zum Ereignis macht.” Korrekt berechnete Abstraktion als Vergnügungspark? Durchaus. Hat man das Hindernis des im Weg fliegenden Videobandes bezwungen, wird man von einer psychodelischen Säulenhalle aus senkrecht gespannten “Columns” in Empfang genommen. Auf der anderen Seite laufen sie als “Parallels” waagrecht über Kopfhöhe durch den Raum – eine Zwischendecke, die den Himmelsblick in regelmäßige Streifen schneidet.

Märchenhafte Verzauberung, vielleicht auch massive Beklemmung, können die überberaumten Räume auslösen, vor dem 2007 entstandenen “White Noise” schwankt man vermutlich zwischen beidem. Wollte man das innere Bild des Opfers während Science-Fiction-gerechter Gehirnwäsche filmisch darstellen: So müsste es aussehen. Vor einem weißen Leuchtkasten werden eng gespannte Magnetstreifen von einem Ventilator in ständiges Flirren, Flimmern, Schimmern versetzt. Zersetzend fühlt es sich an für das schnell schlotternde Sehzentrum im verwirrten Gehirn. “Unser Auge versteht das anders”, erklärte Kempinas nüchtern den Vorgang und die notwendige technische Ausrüstung. Seit zwei Wochen baute er die Arbeiten auf, führte jede Vermessung, Bespannung, Luftstromsetzung selbst aus.

Die Arbeit des Litauers, der schon seit vielen Jahren in New York lebt, ist jedoch nicht abhängig vom umnebelnden Wow-Effekt. Auch über ihre überdeutlichen Einflüsse zwischen dem Minimalismus eines Fred Sandback und der kinetischen Kunst eines Marcel Duchamp geht sie ihren eigenen Weg. Gerade bei dieser ersten Werkschau in Europa, wo Kempinas mehrere Installationen ergänzend und dramaturgisch ablaufend einsetzen kann, wird sichtbar, dass er seine Mischung aus Zen und Sci-Fi sehr genau dosiert. Dass er nicht nur einen tiefsinnigen Formalismus über die Bedeutung von Raum, Blick und Linie illustriert, sondern dabei auch hochästhetische Aufenthaltsräume schafft. Vielleicht sogar für den Heimgebrauch: als Bastelanleitung für die ausgedienten Videokassetten.

Zilvinas Kempinas“, von 31. Oktober bis 25. Jänner, täglich 10 bis 19 Uhr, Do 10-22 Uhr, Kunsthalle Wien, http://www.kunsthallewien.at

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