Rapunzel - Neu verföhnt

Ein neuer Familienfilm pünktlich zu Weihnachten: Grimms Märchen "Rapunzel" wird modernisiert und optisch mit 3D aufgewertet. Disneys 50. Animationsfilm kommt am 8. Dezember in die Kinos.
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“Das Beste beider Welten” sollte der 50. animierte Disney-Film vereinen: den Charme des Handgezeichneten mit den Möglichkeiten der Computeranimation. Und das ist mit “Rapunzel – Neu verföhnt” tatsächlich gelungen. Frei nach dem Grimm-Märchen rund um eine langhaarige Schönheit, die von einer bösen Zauberin in einem Turm eingesperrt wird, schuf Disney im diesjährigen Weihnachts-Familienfilm entzückend menschliche Figuren in einer abwechslungsreich animierten Welt, die durch stimmigen 3D-Einsatz noch aufgewertet wird. Morgen, Mittwoch, startet die modern-amüsante Story, der neben jungen Mädchen auch Buben und Erwachsene etwas abgewinnen können, in unseren Kinos.

“Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter” ist wohl der einzige Satz, der aus dem Märchen der Gebrüder Grimm für die Disney-Adaption erhalten geblieben ist. Bereits in den 40er Jahren hatte Walt Disney an einer Adaption des Märchens gearbeitet, heute erscheint die Geschichte stark abgeändert. Aus dem Mädchen aus armen Hause wurde eine Prinzessin, aus der bösen Zauberin die frustrierte, alternde Frau Gothel, aus dem rettenden Prinzen ein charmanter Dieb.

Gut behütet wächst Rapunzel in ihrem Turm auf. Ihre vermeintliche Mutter, Frau Gothel, verbietet ihr, den Turm zu verlassen – zu gefährlich sei die Welt da draußen. Dass die sie einst als Baby aus dem Königspalast entführt hat, um ihr blondes, magisches Haar als Jungbrunnen zu missbrauchen, ahnt Rapunzel nicht. Als der selbstverliebte Dieb Flynn Rider mit einem aus dem Königspalast gestohlenen Diadem auf der Flucht vor seinen ehemaligen Komplizen auf den Turm stößt, wittert Rapunzel ihre Chance, die Welt kennenzulernen: Ein Mann wie er kann sie bestimmt beschützen.

Rapunzel begleitet ihn in den Wald und schwankt vorerst – in der lustigsten Szene des ganzen Films – zwischen absoluter Ekstase und unerträglichen Schuldgefühlen. Hat sie sich einmal beruhigt, stellt sich die vermeintlich gefährliche Welt an Flynns Seite als tatsächlich gefährlich heraus – immerhin ist neben den Palastwächtern und den wütenden Diebeskumpanen auch das Palastpferd Maximus hinter ihm her. Wie gut, dass Rapunzels langes Haar bei etwaigen Verfolgungsjagden als Liane und Lasso herhalten kann.

Mit “Rapunzel” knüpft Disney trotz Computeranimation an frühere, liebevoll gezeichnete Märchenfilme an. Das ist nicht zuletzt John Lasseter, revolutionärer Gründer der Computeranimationsschmiede Pixar und Kreativ-Chef von Disney, zu verdanken. Als Mentor holte er Glen Keane an Bord, der schon Charaktere wie Pocahontas, Arielle, die Meerjungfrau, und Tarzan schuf. Für die Filmmusik zeichnet der achtfache Oscarpreisträger Alan Menken (u.a. “Die Schöne und das Biest”) verantwortlich – unvergessliche Melodien werden aus “Rapunzel” jedoch nicht hervorgehen. Allein mit dem Regie-Duo Nathan Greno und Byron Howard sowie Drehbuchautor Dan Fogelman wurde auf junge Talente gesetzt.

Auf 3D-Effekthascherei verzichtet das Team – stattdessen wird es dort dreidimensional, wo es Sinn macht: vom meterlangen, goldenen Haar bis zum kitschig-schönen Finale, bei dem Hunderte Laternen in den Himmel aufsteigen. Der Fokus liegt wie einst auf den Charakteren, wobei das menschlich wirkende Pferd Maximus und das misstrauische Chamäleon Pascal für die meisten Lacher sorgen. Um auch Buben für den Prinzessinnenfilm zu begeistern, steht der Frauenheld Flynn Rider – angelehnt an Errol Flynn, der 1938 den Abenteurer “Robin Hood” verkörperte – im Mittelpunkt. Flynn fungiert als Erzähler der Geschichte, kommentiert zynisch das Geschehen. In den USA wurde der Film sogar in “Tangled” (dt. “verworren”) umbenannt, um vom Prinzessinnen-Thema abzukommen.

Die naive, lebensfrohe Rapunzel wird wiederum für alle jungen Mädchen zur identifizierbaren Figur – nicht zuletzt aufgrund der hin und wieder eingestreuten Jugendsprache (“Best day ever!”) und der Probleme mit ihrer über-fürsorglichen Mutter, die ihr – schön in einem Lied verpackt – nahelegt, dass sie ein wenig zugenommen hat. In der synchronisierten Fassung leihen die deutschen Schauspieler Alexandra Neldel und Moritz Bleibtreu den Titelfiguren ihre Stimme, auch die Originalversion ist mit Pop-Sternchen Mandy Moore und Jungschauspieler Zachary Levi zu empfehlen.

Nach 100 Minuten kurzweiliger Unterhaltung wird man fast wehmütig, wenn Disney verkündet, “Rapunzel” solle die letzte Märchenverfilmung des Traditionshauses werden.

www.disney.de/rapunzel

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