AA

Rapids Rendezvous mit der Vergangenheit

Rapid trainiert im Celtic Park: Trainer Pacult instruiert Spieler
Rapid trainiert im Celtic Park: Trainer Pacult instruiert Spieler ©APA
Wenn Rapid am Donnerstagabend vor 60.000 Zuschauern im Celtic Park von Glasgow antritt, dann ist es nicht einfach nur ein Europa League Spiel. Es ist auch auch ein Rendezvous mit einem legendären Kapitel der Vereinsgeschichte. Die Hütteldorfer werden nicht nur mit einem starken Rivalen im Kampf um den Aufstieg konfrontiert, sondern auch mit den Geschehnissen vom 7. November 1984.
Bilder: Rapid in Glasgow

Das Skandalspiel von 1984
Damals verlor Rapid im Achtelfinal-Rückspiel des Cupsieger-Bewerbes im Celtic Park 0:3, was nach dem 3:1 im Hanappi-Stadion eigentlich das Aus bedeutet hätte. Allerdings wurde Rudolf Weinhofer mit einer Platzwunde aus dem Stadion abtransportiert, die UEFA setzte eine Neuaustragung im Old-Trafford-Stadion von Manchester an, wo Rapid am 12. Dezember 1984 inmitten einer aufgeheizten Stimmung 1:0 gewann – dank eines Treffers von Peter Pacult.

“Ein Highlight in meiner Karriere”
“Das war sicher eines meiner wichtigsten Tore, ein Highlight in meiner Karriere”, erinnerte sich der nunmehrige Rapid-Trainer an seinen abgebrühten Auftritt in Manchester. Der 49-Jährige bezahlte sein  Erfolgserlebnis unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit einem Tritt in die Magengegend, den ihm ein später zu einer Haftstrafe verurteilter Celtic-Fan vor dem Eingang in die Stadionkatakomben verpasste.

Spieler vom Hype nicht beeinflusst?
In den bisherigen Gesprächen mit der Mannschaft wurden die Duelle mit Celtic von 1984 laut Pacult nie erwähnt – weder sprach er selbst davon, noch wurde er von den Spielern gefragt. “Das ist für sie sowieso zu lange her.” Pacult wäre es ohnehin lieber, seine Kicker bekämen nichts von dem Hype mit, den vor allem schottische Medien rund um die Partie inszenieren. “Die Spieler dürfen sich von dem ganzen medialen Zirkus, der von einem Ex-Spieler (Anm.: Frank McGarvey) veranstaltet wird, nicht beeinflussen lassen.”

“Stimmung wird sicher anders sein”
Pacult selbst kann allerdings nichts dazu beitragen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. “Als Trainer hast du da keine Chance. Jeder Spieler liest die Zeitung, und jeder muss das für sich selbst schaffen.” Ebenfalls eine Kopfsache wird sein, wie die Rapid-Kicker mit der Atmosphäre im Celtic Park umgehen können. “Auch wenn der Großteil der Mannschaft eine gute Stimmung gewohnt ist – die Stimmung in Glasgow wird sicher anders als normalerweise sein”, vermutete Pacult.

Schotten unter Zugzwang
Der Trainer warnte davor, die Begleitumstände der Partie zu überschätzen und Celtic gleichzeitig zu unterschätzen. “Das ist eine sehr körperbetont spielende Mannschaft, die über den Kampf ins Spiel kommt”, lautet Pacults Einschätzung von Celtic. Aufgrund der Ausgangsposition (Rapid startete mit einem 3:0 in Wien gegen den Hamburger SV, Celtic mit einem 1:2 in Tel Aviv gegen Hapoel) sieht Pacult die Schotten unter Druck. “Sie stehen sicher mehr unter Zugzwang als wir und dürfen sich keinen Ausrutscher erlauben.”

Gegner “auf Augenhöhe”
Für den Coach ist der schottische Tabellenführer aber nicht der größte Rivale um den Aufstieg in die Runde der letzten 32. “Man kann in dieser Gruppe sicher den HSV als leichten Favoriten sehen, doch alle anderen sind auf Augenhöhe”, betonte Pacult, der mit Ausnahme der rekonvaleszenten Christopher Trimmel und Milan Jovanovic aus dem Vollen schöpfen kann. Jürgen Patocka hat seine Entzündung an der Achillessehne überwunden und trat die Reise nach Glasgow an.

Celtic-Coach Mowbray hat Respekt vor Rapid
Celtic-Trainer Tony Mowbray lassen die Geister der Vergangenheit kalt. “Ich war vor 25 Jahren beim Rapid-Match nicht hier. Ich habe damals gerade bei Middlesbrough gespielt”, sagte der Engländer. So wie der gesamte Club ist auch Mowbray darum bemüht, dass die sportliche Komponente in den Vordergrund rückt. Daher sprach der 45-Jährige lieber über die Vorzüge der aktuellen Hütteldorfer Mannschaft. “Das ist ein sehr gefährliches Team”, meinte der Coach.

Konterstärke Rapids macht Celtic Sorgen
Besonders beeindruckt zeigte sich Mowbray von der Konterstärke Rapids. Angesichts der Tatsache, dass Celtic nach dem 1:2 in Tel Aviv im Gegensatz zu den Wienern gleichsam zum Punkten verdammt ist, “könnte es für Rapid keinen besseren Gegner geben”, vermutete der frühere West-Bromwich-Betreuer. Mowbray warnte davor, gegen die Rapidler in die Konterfalle zu tappen. “Sie überlassen dem Gegner die meiste Zeit den Ball und starten dann schnelle Gegenstöße. Sie haben schnelle Spieler und Stürmer, die wissen, wo das Netz ist. Wir müssen uns einen Plan zurechtlegen, der uns die Chance gibt, zu gewinnen”, erklärte der Celtic-Coach.

Mögliche Aufstellungen:
Europa League/Gruppe C/2. Runde:
Celtic Glasgow – SK Rapid, Celtic Park, 21.05 Uhr/live Puls4/sky, SR Bruno Miguel Duarte Paixao/POR

Celtic: Boruc – Hinkel, Loovens, McManus, Fox – McCourt/McGeady, N’Guemo, S. Brown, Maloney – McDonald, Samaras
Ersatz: Zaluska – Caldwell, Caddis, Forrest, McGinn, Crosas, Killen
Fraglich: McGeady (Knöchelverletzung)
Rapid: Payer – Dober, Soma, Patocka, Katzer – Kavlak, Heikkinen, Hofmann, Pehlivan, Boskovic – Jelavic
Ersatz: Hedl – Eder, Thonhofer, Kulovits, Drazan, Salihi, Konrad
Es fehlen: Trimmel, Jovanovic (beide rekonvaleszent)

  • VIENNA.AT
  • Fußball
  • Rapids Rendezvous mit der Vergangenheit
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen