Raiffeisen drückt sich vor Aussagen zu Pröll

Dass der am Mittwoch von allen politischen Ämtern - auch als Finanzminister - zurückgetretene Josef Pröll nach Erholung von seinem Lungeninfarkt bei Raiffeisen landen könnte, dominierte am Donnerstag auch die Medienfragen bei der Bilanzpressekonferenz der Raiffeisen Zentralbank in Wien. RZB-Chef Walter Rothensteiner ließ sich keine Schlagzeilen entlocken.
Pröll und Raiffeisen: Bisher war Rothensteiner selber als logischer Nachfolger für Raiffeisenverbands-Generalanwalt Christian Konrad an der Raiffeisen-Spitze gehandelt worden. Seit gestern erweitert Pröll diese Liste der logischen Nachfolger. Er galt schon früher einmal als Wunschkandidat von Konrad.

“Man kennt einander gut, dass da Schlüsse gezogen werden, ist logisch”, meinte Rothensteiner heute. Dass Konrad selber in einer Medienmitteilung gestern lediglich erklärte, es gebe “bis dato” keinerlei Vereinbarung über einen Eintritt oder eine Beschäftigung von Pröll bei Raiffeisen, war in der Branche überwiegend als Momentaufnahme registriert worden.

“Was soll er denn sagen außer bis dato?”, fragte Rothensteiner heute. “Es gibt keine Vereinbarung, dass er zu uns kommt, im Moment”, fügte der RZB-Generaldirektor heute hinzu.

Im Raiffeisenverband stehe heuer jedenfalls kein Beschluss für eine neue Spitze an, sagte Rothensteiner. Generell deutete er aber an: “Es wird alles lösbar sein, ohne dass es Verlierer gibt.”

Generalanwalt, so Rothensteiner, sei man ja auch nicht hauptberuflich. Das sei alles gestaltbar. Sein eigener Vertrag in der RZB läuft bis 2015.

Weitere Spekulationen über den Verbleib Prölls

Es gibt auch Spekulationen um Pröll für den Vorstand der Agrana bzw. bei Leipnik-Lundenburger (LLI), ebenfalls Raiffeisen-Konzerne. Rothensteiner ist Aufsichtsrat bei Leipnik. Das Gremium hat noch nicht getagt seit dem Pröll-Rücktritt, daher gibt es laut Raiffeisen auch keine Berichte oder Beschlüsse dazu.

Für Rothensteiner ist Pröll ein erfahrener Mensch, der Gott und die Welt kenne in Europa. “Jedes Unternehmen würde sich freuen, wenn es wen wie ihn akquirieren kann.”

Der Rücktritt Prölls als Finanzminister tut Rothensteiner leid. Er habe ihn als wirklich vernünftigen und sachverständigen Politiker kennengelernt. “Aber mit so einer Gesundheitsgeschichte spielt man nicht. Deshalb halte ich seine Entscheidung für grundvernünftig. Hinterfragen würde ich, ob der Stress in der Politik wirklich immer so sein muss.”

Welchen Wunsch er an den künftigen Finanzminister hat? “Ich kann mir den Minister nicht aussuchen”, meinte der RZB-Boss. “Ich gehe davon aus, dass es die gleichen Themen sind, Spekulationssteuer, Bankenabgabe, Basel III, und was man an diversen Dummheiten noch ändern kann.” Da könne die Finanzbranche einen fachkundigen Finanzminister durchaus brauchen. Rothensteiner kann sich “nicht vorstellen, dass man dort wen hinsetzt, der überhaupt keine Ahnung hat, wie eine Bilanz ausschaut.” (APA)

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