Radio für alle, sonst gibt's Randale

©Gebrüder Moped
Gastkommentar der Gebrüder Moped: Und jetzt ein kühles Lichtenegger, Prost! Stimmt, der Name der jungen Ö3-Moderatorin würde viel besser zu einem Bier passen, als zu einem Shitstorm-Opfer. Internationale Großbrauerei natürlich - nicht irgendein österreichisches Gschloder. Elke Lichtenegger aber ist kein Gerstensaft, sondern eine "Ö3-Lady", wie der radiotaugliche Volksmund zu sagen pflegt. Das wissen wir jetzt alle. Zumindest seit letzter Woche.

In einem Interview erzählte Lichtenegger in aufreizend herablassender Nonchalance eine Schnurre aus ihrem beruflichen Alltag: Sie hätte eine megahippe Band aus dem fernen Ausland nicht erkannt und vermutete, dass es sich dabei um eine (!) völlig unbekannte Formation aus Österreich handle, die dem Sender erfolglos ein (!) grottenschlechtes Lied andrehen möchte. Eine Band, ein Song, ein Irrtum. Das war zu viel für eine Nation, die schon einmal zwei Weltkriege angezettelt hatte. Treibt die Alte auf die Straße, tretet sie mit Füßen und spuckt ihr ins Gesicht! Die vernetzte Masse erklärte die junge Frau kurzerhand zu Freiwild. Sie wurde beschimpft, bedroht, verletzt. Macht aber nichts. Die einen sagen, sie hat’s verdient. Und die anderen meinen, das Internet sei daran schuld. Eine zeitgemäße, legitime, gewaltige Hetz’ halt, die zur österreichischen Seele passt, wie die Faust aufs blaue Auge.

Bauern-Metal for the masses

Sogar die regionale Musikszene drückte da und dort ein Auge zu, als gegen die Gottlose der Heilige Hexenhammer im Heavy-Metal-Takt geschwungen wurde – einschlägige Lyrics inklusive. Geht es doch um die Forderung einer ÖsterreicherInnen-Quote im Radio. Keine Frage: Das, was da seit 20 Jahren mit dem einst besten und innovativsten deutschsprachigen Pop-Sender passiert, zeugt von Klasse – letzter Klasse. Aalglattes, formatiertes Verblöden zu verkaufen hat keinen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu haben. Das Leben ist ein Hit. Du nicht, Ö3!

Und das “marktkonforme Outsourcing” bester heimischer Pop-Arbeit in die Musikgreißlereien FM4 und Ö1 gereicht der “Kulturnation” zu null Ehre. Stellen wir uns aber vor, eine Diskussion um die Quote führt wirklich zu einem Gesetz und die Austro-Radios müssen tatsächlich vermehrt Regionales senden. Was macht dann zum Beispiel diese eine völlig unbekannte Wödpartie aus Oberpullendorf-Umgebung mit dem übergewichtigen Vierzigplus-Schnauzer im “Bier formte diesen wunderschönen Körper”-Shirt am Mikrofon? Wenn nämlich Ö3 ihre witzige Doors-Coverversion “Come on, Baby, greif ma’m Beidl” dann doch nicht spielen möchte? Obwohl sie doch aus Österreich kommt. War dann alles umsonst? Brauchen wir dann ein neues Bauernopfer und kippen uns dazu einen Gepflegten hinter die Binde? Ein kühles Bierchen zum Beispiel. Ein Lichtenegger.

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