Putsch auf Fidschi?

Auf den seit Monaten von Putschgerüchten erschütterten Fidschi-Inseln hat das Militär am Montag Vorbereitungen für eine Intervention gegen die Regierung getroffen.

Soldaten entwaffneten die Eliteeinheit der Polizei und errichteten rund um die Hauptstadt Suva©Straßensperren, wie die „Fiji Times“ berichtete. Die Armee habe die Leibwache von Ministerpräsident Laisenia Qarase und seines Kabinetts entwaffnet, teilte Militärchef Voreqe Bainimarama in einer Pressekonferenz mit. Die Armee werde „die Sicherheit der Nation“ gewährleisten.

Bainimarama äußerte sich zunächst nicht dazu, ob die Regierung gestürzt worden sei. Der Armeechef begründete die Entwaffnung der Polizeikräfte des Ministerpräsidenten damit, die Waffen drohten in die Hände von „Dissidenten“ zu fallen. Damit werde eine blutige Konfrontation vermieden, sagte Bainimarama. Die Armee und die Polizei arbeiteten aber zusammen, um die Sicherheit und Kontrolle im Land herzustellen.

Der Premierminister zeigte nach diesen Berichten jedoch keine Bereitschaft zur Aufgabe. Er sei mit dem Hubschrauber in die Stadt geflogen, um die Straßensperren zu umgehen, berichteten lokale Medien. Qarase erklärte am Montag im Radio, er bleibe an der Macht und habe eine Krisensitzung seines Kabinetts für Dienstag einberufen. Er war im Mai für eine zweite fünfjährige Amtszeit gewählt worden.

Bainimarama hatte am Sonntag zum wiederholten Mal eine „Säuberungsaktion“ angekündigt. Er droht seit Wochen offen mit einem Putsch und stellte der Regierung schon zwei Ultimaten mit einem Forderungskatalog. Er hoffe, Premierminister Qarase gehe ohne Widerstand aus dem Amt, sagte er am Sonntag in einem Fernsehinterview.

Bainimarama wirft Qarase vor, die große indischstämmige Minderheit zu benachteiligen. Qarase, ein Ureinwohner, der nach dem Sturz des ersten indischstämmigen Premierministers 2000 ins Amt kam und im Frühjahr Wahlen gewonnen hatte, streitet das ab. Er ließ aber auf Bainimaramas Druck hin den Plan einer Amnestie für die Putschführer fallen. Das geht dem Armeechef nicht weit genug.

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