Putins Krieg stürzt Ukraine und Russland ins Chaos

Die Ambulanz versorgt einen Verletzten nach einem Bombenangriff in Charkiw in der Ukraine.
Die Ambulanz versorgt einen Verletzten nach einem Bombenangriff in Charkiw in der Ukraine. ©Sergey BOBOK / AFP
Am siebten Tag der russischen Invasion in der Ukraine sind hunderttausende Ukrainer auf der Flucht vor Panzern und Raketen. Putin stürzt Russland und die Ukraine in ein blutiges Chaos.
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Der russische Präsident schafft auch in der EU eine neue Lage mit vielen Flüchtlingen und in seinem noch von der Corona-Pandemie gebeutelten Land schwerste Wirtschaftsprobleme. Doch der Kremlchef zeigt sich eine Woche nach dem Beginn eines Kriegs gegen die Ukraine betont beschwingt und mit einem Lächeln - als wäre nichts geschehen.

Putins Krieg stürzt Ukraine und Russland ins Chaos

Putin trifft dem Kreml zufolge am Mittwoch den Chef der russischen Industriellen- und Unternehmervereinigung, Alexander Schochin, in seinem Büro. Zu hören ist nicht, was die beiden bereden. Aber Schochin ist auch in deutschen Wirtschaftskreisen bekannt dafür, dass er Klartext spricht. Und die russische Wirtschaft ist angesichts der zunehmenden Gewalt und des wachsenden Chaos in heller Aufregung.

Dmitri Peskow: Sanktionen des Westens seine schwerer Schlag

Putins Sprecher Dmitri Peskow räumt ein, die Sanktionen des Westens seien ein schwerer Schlag. Der Wert des Rubels stürzt ins Bodenlose. Und immer mehr Menschen in Russland fragen sich, ob die von Putin angekündigte Befreiung der Ukraine von "Nationalisten" es das alles wert ist. Die Signale aus der Ukraine sind klar, dass niemand von Putin "befreit" werden will.

Viele russische Soldaten in der Ukraine bereits gestorben

Grund zum Lachen, wie es auf dem vom Kreml verbreiteten Video zu sehen ist, hat Putin aber auch deshalb nicht, weil russische Soldaten in der Ukraine sterben. Die Ukrainer leisten erbitterten Widerstand und denken nicht ans Aufgeben, wie der 69-Jährige es von ihnen erwartet und verlangt hatte. Putin hatte mit seiner am Donnerstag vor einer Woche losgetretenen "Spezialoperation" die Ukraine von "drogensüchtigen Neonazis" in der Regierung in Kiew säubern wollen.

Ukrainer stehen fest an der Seite von Präsident Wlodymyr Selenskyj

Aber inzwischen stehen die Ukrainer fest an der Seite ihrer Führung unter Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich Putin mutig entgegenstellt. Es ist nicht zu spüren, dass an eine Niederlage auch nur gedacht wird. Die Menschen spenden für die Armee. Seit Kriegsbeginn seien über 80.000 Ukrainer in das Land zurückgekehrt, um freiwillig gegen die russische Armee zu kämpfen, heißt es in Kiew.

Viele Informationen aus Kiew sind nicht überprüfbar

Viele Informationen sind nicht überprüfbar. Dennoch verbreitet sich die von Kiew genannte Zahl von angeblich rund 6.000 getöteten russischen Soldaten in Windeseile in den sozialen Netzwerken - auch in Russland. Das Verteidigungsministerium räumt zwar "Verluste" ein, nennt aber keine Zahlen. Die Russen stellen sich darauf ein, dass es bald wieder Bilder geben wird von vielen Särgen.

Kreml will "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk

Und auch in Russland fragen sich viele Menschen, wie das alles enden soll? Der Kreml nennt stets dieselben Bedingungen: Die Ukraine soll die Regionen Luhansk und Donzek im Osten der Ukraine, wo die erbittertsten Kämpfe sind, als unabhängige Staaten anerkennen. Putin hat die "Volksrepubliken" anerkannt und seinen Einmarsch mit dem Schutz der russischsprachigen Bürger dort begründet.

Auch Halbinsel Krim soll laut Kreml zu Russland gehören

Der Kremlchef verlangt, dass die Ukraine die Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisch anerkennt. Und er fordert einen neutralen Status für das Land - also den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft. Betont hat Putin stets, es gehe ihm nicht um eine Okkupation der Ukraine. Er dürfte wohl auch damit rechnen, dass der Westen bei einem möglichen Rückzug russischer Truppen die harten Sanktionen schrittweise wieder aufhebt. Zumindest mit Blick auf den 2014 von Kiew in der Ostukraine begonnenen Krieg hatte die EU immer wieder eine Aufhebung der Sanktionen in Aussicht gestellt, sollte der Konflikt gelöst werden.

Selenskyj will nur über möglichen neutralen Status reden

Selenskyj aber will mit Putin bisher nur über einen möglichen neutralen Status reden. Die anderen Bedingungen hat er als völlig inakzeptabel zurückgewiesen. Er verlangt den kompletten Abzug russischer Truppen auch von der 2014 annektierten Krim. Zudem müsse Russland die Kriegsschäden in Milliardenhöhe begleichen, sagt er. Erst wenn es Frieden gibt, könnten auch die fast eine Million Flüchtlinge aus der EU und aus Russland in die Ukraine zurückkehren.

"Russisches Kriegsschiff - fick dich!"

Wer die Menschen in der Ukraine nach ihrer Stimmung fragt, hört immer wieder einen oft zitierten Funkspruch ukrainischer Soldaten an die russische Marine: "Russisches Kriegsschiff - fick dich!" In den sozialen Netzwerken kursieren viele kaum überprüfbare Videos, in denen Menschen mit ukrainischen Fahnen gegen die russischen Invasoren protestieren und rufen: "Zum Teufel mit Euch!" und "Geht zur Hölle!"

Menschen in der Ukraine kämpfen weiter um ihre Freiheit

Die um ihre Freiheit kämpfenden Menschen in der Ukraine erleben weltweit eine Welle der Solidarität. In Deutschland setzt die Regierung weiter darauf, dass die harten Finanz- und Wirtschaftssanktionen Wirkung zeigen. Vor allem die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen wirft Putin vor, er bringe mit seinen Panzern "Tod und Zerstörung", aber keinen Frieden. Baerbock will eine maximale Isolierung Putins.

Deutscher Kanzler Olaf Scholz wirbt in Israel für Friedensgespräche

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz (SPD) wirbt indes beim Antrittsbesuch in Israel dafür, die Friedensgespräche fortzusetzen. "Natürlich geht es jetzt darum, dass die Diplomatie wieder eine große Chance bekommt", sagt er dort. Welche Rolle er selbst oder die Außenministerin dabei spielen könnten, bleibt zunächst offen.

"Wir reagieren auf das, was sich entwickelt"

Doch was tun, falls Putin unbeeindruckt von Sanktionen oder Rhetorik weiter Krieg gegen die Ukraine führt - und demnächst Kiew einnimmt und Selenskyj stürzt? Auf solche Fragen will sich die deutsche Regierung erstmal nicht einlassen. "Es gibt Gesprächskanäle", versichert die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann. So habe der französische Präsident Emmanuel Macron mit Putin telefoniert und angekündigt, dass diese Gespräche fortgesetzt werden. Hoffmann schiebt hinterher: "Wir reagieren auf das, was sich entwickelt und sind natürlich auf alles vorbereitet." Was auch immer das bedeutet.

(APA/Red)

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