Putin griff in Rede auf NS-Vokabular von Hitler zurück

Der Wiener Theologe verweist auf die NS-Rhetorik in Putins Rede.
Der Wiener Theologe verweist auf die NS-Rhetorik in Putins Rede. ©REUTERS/Louiza Vradi
"Endlösung", "Selbstreinigung", "Volksverräter": Russlands Präsident Wladimir Putin bediente sich in einer Rede zum Ukraine-Krieg laut einem Wiener Theologen gleich mehrere Male an der NS-Rhetorik von Adolf Hitler.

Auf unerhörte rhetorische Anleihen des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei Adolf Hitler und dessen Programmschrift "Mein Kampf" hat der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück hingewiesen. Bei einer Rede am vergangenen Mittwoch habe Putin prowestliche Russen als "Volksverräter" bezeichnet und eine "Selbstreinigung" der Gesellschaft angemahnt.

Rede zum Ukraine-Krieg: Putin sprach von "Endlösung"

Vor allem habe er jedoch "ein Tabu gebrochen", als er in dieser Rede im Blick auf den Ukraine-Krieg von einer "Endlösung" gesprochen habe, so Tück - ein "Unwort", mit dem die Nationalsozialisten den Entschluss zur Vernichtung des europäischen Judentums 1942 bezeichnet hatten. Tück äußerte sich am Wochenende in einem "Stand.Punkt"-Beitrag auf "katholisch.at", dem Webportal der Katholischen Kirche in Österreich.

Der russische Präsident habe das Wort von der "Endlösung" benutzt, um zu unterstreichen, dass er die "ukrainische Frage" notfalls mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln lösen werde. "Ob hier auch die Androhung, bei einer Intervention des Westens atomare Waffen zum Einsatz zu bringen, mitzuhören ist?"

Absicht der "Entnazifizierung" der Ukraine "absurd"

Zudem münde die Argumentation Putins in einen "Selbstwiderspruch", insofern er vorgebe, die Ukraine "entnazifizieren" zu wollen und gleichzeitig NS-Vokabular nutze, mit dem er Freund-Feind-Schemata zementiere und eine "Entwürdigungsrhetorik" bediene, "um die ideologische Homogenisierung der russischen Gesellschaft sicher zu stellen". Die Absicht der "Entnazifizierung" sei auch insofern "absurd", als die Ukraine "von einem Präsidenten jüdischer Herkunft regiert wird, der Vorfahren in den Lagern der Nazis verloren hat". Gewiss, es habe in der Ukraine nationalistische Kräfte gegeben, doch hätten diese einen "äußerst geringen Einfluss", um diese massive Eskalation zu rechtfertigen.

Gegen die Eskalation der politischen Sprache, gegen "ideologische Gleichschaltung und Freund-Feind-Unterscheidungen" müsste laut Tück "auch die Kirche laut ihre Stimme erheben". Das Moskauer Patriarchat schweige jedoch beharrlich - "und dieses Schweigen schreit zum Himmel."

Selenskyj setzt Russland mit Nazi-Deutschland gleich

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Video-Botschaft an Israel Russland mit Nazi-Deutschland gleichgesetzt und dem Kreml einen Plan zur Auslöschung der Ukraine vorgeworfen. "Hört darauf, was jetzt in Moskau gesagt wird: "Endlösung", aber jetzt bereits in Bezug auf die ukrainische Frage", sagte der 44-Jährige am Sonntag in einem Video-Auftritt vor Knesset-Abgeordneten.

Das Staatsoberhaupt mit jüdischen Wurzeln erinnerte dabei an die sogenannte "Endlösung der Judenfrage", wie die Ermordung von Millionen Juden in Europa durch Nazi-Deutschland genannt wurde.

Der vor etwas mehr als drei Wochen begonnene russische Einmarsch in die Ukraine sei dabei nicht nur eine "militärische Spezialoperation" - wie der Krieg in Russland bezeichnet wird. "Das ist ein großflächiger und hinterhältiger Krieg, der auf die Vernichtung unseres Volkes, unserer Kinder, unserer Familien, unseres Staates abzielt", sagte Selenskyj. Die Ukraine befinde sich damit in einer ähnlich prekären Situation, wie der jüdische Staat im Nahen Osten.

(APA/Red)

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