Pummerin und Wiener Stephansdom feiern 70-jähriges Jubiläum

Dompfarrer Toni Faber mit der Glocke die " Pummerin". Der Wiener Stephansdom und seine berühmte Glocke, die "Pummerin", feiern dieser Tage ein 70-jähriges Jubiläum.
Dompfarrer Toni Faber mit der Glocke die " Pummerin". Der Wiener Stephansdom und seine berühmte Glocke, die "Pummerin", feiern dieser Tage ein 70-jähriges Jubiläum. ©APA/ERZDIÖZESE WIEN/SCHÖNLAUB
Ende April feiern der Wiener Stephansdom und seine berühmte Glocke, die Pummerin, ein 70-jähriges Jubiläum.

Am 26. April 1952 kam die neu gegossene Pummerin unter dem Jubel der Bevölkerung auf dem Stephansplatz an. Tags darauf, am 27. April 1952, wurde der "Steffl" feierlich wiedereröffnet, wie die "Kathpress" berichtete. Der Dom und die Glocke waren in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs im April 1945 zerstört worden.

Die Pummerin und der Wiener Steffl feiern ihr 70-jähriges Jubiläum

Die neue Pummerin wurde von der Bevölkerung enthusiastisch als besonderes Symbol für Frieden und Freiheit begrüßt. Sie beeindruckte - und tut das noch immer - auch mit ihren technischen Daten. Die drittgrößte Glocke Europas ist 21.383 Kilo schwer, 2,94 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 3,14 Metern, die Metallwand bis zu 23 Zentimeter stark. Einmal angeschlagen, hallt die Pummerin etwa 200 Sekunden nach.

Nur zu ganz besonderen Anlässen hört man die Pummerin läuten

Geläutet wird die Pummerin nur zu ganz besonderen Anlässen: etwa bei der Osternachtfeier und am Ostersonntag, am Pfingstsonntag, zu Fronleichnam, zum Domweihfest am 23. April, zu Allerseelen, am Heiligen Abend, am Stephanitag, natürlich zum Jahreswechsel um Punkt Mitternacht, bei der Jahresschlussandacht, bei Wahl und Tod des Papstes sowie Inthronisation und Tod des Erzbischofs. Zuletzt läutete sie vor wenigen Wochen beim Friedensgebet im Dom für die Ukraine.

Am 25. April 1952 machte sich die Glocke auf die Reise nach Wien

Am 25. April 1952 trat die im oberösterreichischen St. Florian neu gegossene Glocke auf einem Tieflader ihre Reise von Linz nach Wien an. Vor dem Landhaus in Linz ist noch heute jene Stelle im Pflaster durch einen Ring markiert, wo sie vor 70 Jahren transportbereit stand. Mehr als eine Million Menschen säumten den Weg der Glocke, der von Linz über Enns, Amstetten, Melk und St. Pölten nach Wien führte.

Am 26. April kam die Pummerin um beim Wiener Stephansplatz an

Am 26. April um 16.00 Uhr erlebte sie auf dem Stephansplatz einen überwältigenden Empfang. Zu dem Ereignis waren neben Zehntausenden Menschen und den kirchlichen Würdenträgern auch Bundespräsident Theodor Körner und die Mitglieder der Bundesregierung gekommen. Die feierliche Weihe der Glocke nahm der Wiener Erzbischof Kardinal Theodor Innitzer vor. Am Ende der Weihe stiegen 2.000 Brieftauben auf, um das Ereignis im Land bekannt zu machen.

Neue Glocke im Hof der Dombauhütte aufgestellt

Auf den Platz der alten Pummerin am Südturm konnte die neue Glocke aus statischen Gründen nicht hochgezogen werden. Der Turm wäre nicht stabil genug gewesen. So wurde die Glocke provisorisch im Hof der Dombauhütte aufgestellt, wo sie am 27. April 1952 beim Festgottesdienst zur Wiedereröffnung des Stephansdoms zum ersten Mal angeschlagen wurde.

Klöppel der Pummerin wiegt 813 Kilo

Mittels eines Stricks wurde der damalige 813 Kilo schwere Klöppel von acht Arbeitern der Dombauhütte hin- und hergezogen. Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten am Dom konnte die Pummerin schließlich am 3. Oktober 1957 auf den Nordturm aufgezogen werden. Zum "Handkuss" kam dabei das Riesentor. Wie schon 1711 mussten beim Transport in das Dominnere die Portalpfosten ausgebrochen werden.

Elektromechanische Steuerung für die Wiener Pummerin 1953

Eine elektromechanische Steuerung bekam die Pummerin bereits 1953, im Jahr 2003 erhielt sie schließlich ein elektronisches Läutwerk, das mit den beiden Antriebsmotoren ein gleichmäßigeres Einschwingen der Glocke erlaubt und damit Glocke wie Glockengestühl weniger belastet. Es dauert genau 22 Sekunden, bis der erste Glockenschlag ertönt. 2011 bekam die Glocke zudem einen neuen Klöppel, der mit 613 Kilogramm etwa 30 Prozent leichter ist als sein Vorgänger und die Glocke deutlich schonender läutet, ohne dass bei Klang Abstriche gemacht werden müssten.

Wiener "Steffl" wurde am 27. April wiedereröffnet

Der "Steffl" selbst wurde mit dem Festgottesdienst am 27. April wiedereröffnet. Dabei war laut "Kathpress" sogar Papst Pius XII. via Funk aus dem Vatikan zugeschaltet .An dem Gottesdienst nahmen demnach alle Bischöfe des Landes, Bundespräsident Körner und die Bundesregierung teil.

Papst Pius XII. sagte in deutscher Sprache: "Was Ihr vollbracht, ist eine gewaltige Leistung. Wir glauben sie deuten zu dürfen als Beweis Eures entschlossenen Willens, in gegenseitiger Verbundenheit der einzelnen und der Gemeinschaft, in geduldigem Harren und zähem Wirken Euch hindurchzuarbeiten durch die Unsicherheit und Not dieser Jahre in glücklichere Tage echten Wohlstands in Freiheit und Frieden."

Wiener Stephansdom blieb von den allierten Bomben verschont

Der Dom war von den alliierten Bomben bis in die letzten Kriegstage eigentlich verschont geblieben. Doch am 11. April 1945 geriet das Gotteshaus durch Funkenflug von benachbarten Häusern in Flammen. Der gesamte Lärchenholzdachstuhl des Langhauses verbrannte, und als das Gewölbe einstürzte, begrub es auch das berühmte gotische Chorgestühl. Am 12. April schließlich zerschellte die Pummerin am Kirchenboden. Lediglich der Glockenklöppel blieb erhalten.

Wiederaufbau des Stephansdoms nach Kriegsende

Der Wiederaufbau des Stephansdoms begann wenige Monate nach Kriegsende. Jedes österreichische Bundesland spendete einen wesentlichen Teil zum Wiederaufbau. Viele Österreicher, die selbst nichts besaßen, machten durch tätige Hilfe und private Zuwendungen möglich, dass nur drei Jahre danach, am 19. Dezember 1948, das Langhaus und weitere vier Jahre später schließlich der ganze Dom feierlich wiedereröffnet werden konnten.

Arbeiten am Nordturm des "Steffls" erst 1957 abgeschlossen

Freilich waren damals noch nicht alle Schäden vollständig behoben. Die Arbeiten am Nordturm konnten erst 1957 abgeschlossen werden. Erst zu diesem Zeitpunkt war es auch möglich, die Pummerin an ihren zugedachten Platz im Turm hochzuziehen. Die übrigen Restaurierungsarbeiten konnten dann weitgehend bis 1965 fertiggestellt werden, Kriegsschäden am südlichen Heidenturm wurden aber auch noch später behoben, und erst 1983 wurden in der Barbarakapelle am Fuß des Nordturms die letzten Schäden aus der Kriegszeit behoben.

(APA/Red)

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