Psychoterror aus "Liebe"

Verliebter Pressefotograf terrorisierte eine Botschaftsangestellte monatelang per Telefon, weil sie kein Interesse an ihm zeigte - bis zu 20 Anrufe pro Nacht - sechs Monate Haft auf Bewährung.

Ein 58-jähriger Pressefotograf, der über Monate hinweg eine um 15 Jahre jüngere Botschaftsangestellte terrorisiert hatte, ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen gefährlicher Drohung zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der verliebte Mann hatte es nicht verkraftet, dass die attraktive 43-Jährige nicht an ihm interessiert war und schließlich einen anderen heiratete. Das Urteil ist rechtskräftig.


„Diese Person hat mich bewusst ausgenutzt und benutzt“, erklärte der Endfünfziger vor Richter Friedrich Zeilinger. So habe er ihr geholfen, als ihr Vater starb – sowohl in Erbschaftsangelegenheiten als auch beim Ausräumen der Wohnung.


Dafür habe er auch etwas bekommen, konterte die Frau: „Er hat sich vom Inventar nehmen dürfen, was er gebraucht hat. Und stellen Sie sich vor! Er hat heute einen Anzug von meinem Vater an, was ich besonders gemein finde! Das weckt Erinnerungen.“


Der Mann dürfte sich allerdings weit mehr als einen noblen Zweireiher erwartet haben, was er jedoch vor dem Kadi vorerst nicht zugeben wollte. Er erklärte seinen Telefonterror zunächst damit, dass die Frau zwar ein „Ostergeschenk“ angenommen, dies dann aber umgetauscht habe: „Und dann hat sie nichts Besseres gewusst, als neuerlich Streit zu suchen!“


Da platzte seiner Verteidigerin der Kragen: „Jetzt geben Sie es schon zu! Das können’s doch sagen! Verliebt waren Sie!“


Ganz kleinlaut räumte der 58-Jährige darauf ein, er sei noch nie von einer Frau „so furchtbar enttäuscht worden“. Nach tiefem Luftholen und mit feierlicher Stimme gelobte er dann, er werde zukünftig „keinen Kontakt mehr halten“.

Bis zu 20 Anrufe pro Nacht


Nicht immer benützt der Mann derart ausgewählt höfliche Worte. Die an einer prominenten europäischen Hauptstadt tätige Botschaftsangehörige kann ein Lied davon singen. Bis zu 20 Mal pro Nacht hatte sie der unerwünschte Verehrer angerufen – teilweise im Minutenabstand. Er telefonierte auch mit ihren Freunden und Bekannten sowie der betreffenden diplomatischen Vertretung, um sie schlecht zu machen. „Sie haben sie mit Worten belegt, die weit über das in manchen Kreisen übliche ’Drecksau’ hinaus gehen“, brachte es der Richter auf den Punkt.


Sollte der 58-Jährige sein Versprechen brechen und wieder zum Hörer greifen, muss er mit einer neuerlichen Anzeige rechnen. „Dann wandern Sie sofort in U-Haft, kriegen einen zweiten Prozess und haben danach sicher viel Zeit zum Nachdenken“, warnte ihn der Richter.

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