Psychiatrie in Wien - Wehsely attackiert Pilz

Im Wiener Gemeinderat wird am kommenden Freitag (29. Februar) die von ÖVP und Grünen beantragte Untersuchungskommission zum Vorwurf von Missständen in der Psychiatrie der Bundeshauptstadt eingesetzt.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (S) plädierte am Montag dafür, das Recht auf Intimität der Patienten zu respektieren. Kritik übte sie dabei an Sigrid Pilz, Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen.

“Wir reden hier von teilweise schwerst kranken Menschen, die mit einer Erkrankung leben, die sie allzu oft in der Geschichte und leider auch heute noch unerhörten Diskriminierungen aussetzte und -setzt”, so die Stadträtin in einer Aussendung: “Wer versucht, Patienten mit einer psychiatrischen Diagnose öffentlich vorzuführen, hat in mir eine erbitterte politische Gegnerin.”

Pilz habe Wünsche geäußert, die psychiatrischen Abteilungen zu besuchen. “Das wird es so nicht geben”, betonte Wehsely: “Das Recht unserer Patienten mit psychiatrischen Diagnosen auf Intimität und darauf, in Ruhe genesen zu können, ist für alle zu respektieren.” Andere Informationen zur Psychiatrie werde man im Sinne größtmöglicher Transparenz selbstverständlich zur Verfügung stellen.

Aus Sicht Wehselys gibt es im Vorfeld der Untersuchungskommission unterschiedliche Ansätze bei den Oppositionsfraktionen: “Von ÖVP und FPÖ sind deutlich konstruktivere Töne zu vernehmen. Grün-Gemeinderätin Pilz hingegen versucht öffentlich, ein ganzes Fach zu diffamieren – und stößt damit, wie ich höre, selbst in ihrer eigenen Fraktion an die Grenzen der Solidarität.”

Derzeit mehrten sich verärgerte Äußerungen ehemaliger Patienten über die versuchte Skandalisierung. Gleichzeitig steige die Zahl jener, die angesichts der Diskussion nicht mehr ins Otto-Wagner-Spital kommen wollten, aber dringend Hilfe benötigten. Sie appellierte daher an alle Fraktionen, sensibel mit dem Thema umzugehen. Wehsely versprach, die Dezentralisierung der stationären Psychiatrie weiter zu betreiben. “Das Bessere ist der Feind des Guten”, meinte sie.

Bereits Ende der Vorwoche hat sich das Zentrum für Public Health der Med-Uni Wien “gegen die polemisch-populistische Art der Darstellung, den jede fachliche Kompetenz entbehrenden Umgang mit und die mediale Präsentation der bedauerlichen jüngsten Ereignisse im Bereich der stationären Psychiatrie” verwahrt. “Die politische Instrumentalisierung, die unsachlichen Pauschalierungen und die Vernachlässigung der zahlreichen positiven Ergebnisse und Innovationen gerade der Wiener Psychiatrie mit ihrer langen Geschichte sehen wir als Desavouierung des gesamten Fachbereichs und vieler engagierter Gesundheitsberufe”, so der Leiter Manfred Maier in einer Aussendung.

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