Psychiatrie - Friedrich: Wiener Politik für Mangel verantwortlich

Der Kinderpsychiater Max Friedrich macht die Wiener Stadtpolitik für eine langjährige "Mangelsituation" in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Bundeshauptstadt verantwortlich.

Allerdings räumte er am Freitag in der Psychiatrie-Untersuchungskommission des Wiener Gemeinderats ein, dass es seit dem Vorjahr Verbesserungen gegeben habe. In Sachen Kinderpsychiatrie-Ausbildung kritisierte er die Ärztekammer.

Der Mangel habe sich schon kurz nach der Eröffnung der Klinik am Wiener AKH im Jahr 1975 gezeigt, sagte er auf Anfrage des FP-Gemeinderats David Lasar. Friedrich ist dort heute Klinikvorstand. Eine Studie habe 1991 einen Mangel von 32,4 Personen (über alle Berufsgruppen gerechnet) ergeben. Heute verfüge er über einen Arzt mehr.

Wien sei vom “State of the Art”, wie er in Deutschland oder der Schweiz vorherrsche, “weit entfernt”, so Friedrich. Die Frage der Grünen Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz, ob er dafür Bürgermeister Michael Häupl (S) sowie die SP-Gesundheitsstadträte Alois Stacher, Sepp Rieder, Renate Brauner und die aktuelle Amtsinhaberin Sonja Wehsely verantwortlich mache, bestätigte er.

Dies gelte nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Jugendwohlfahrt, so Friedrich, der damit auch Vizebürgermeisterin Grete Laska (S) in die Verantwortung nahm. Lob gab es von ihm nur für die frühere Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann. Kritik setzte es dagegen an Häupl, dessen Subventionsversprechen für Friedrichs Verein “Boje” sechs Jahre lang nicht erfüllt worden sei.

Friedrich war im Vorjahr von Wehsely mit einer Erhebung zur Wiener Versorgungssituation beauftragt worden. Folge sei unter anderem die Schaffung von vier Betten am Rosenhügel, vier versprochenen Betten im AKH und die Planung für 30 Betten im künftigen Krankenhaus Nord gewesen, bestätigte er auf Nachfrage der SPÖ. In den Jahren 2006 und 2007 seien in Wien aus Bettenmangel noch jeweils rund 180 Minderjährige in der Erwachsenenpsychiatrie aufgenommen worden, was für die Kinder “immer ein Schock” sein könne.

Weiterer Kritikpunkt: “Die Anzahl der Ärzte ist eindeutig zu gering”, so Friedrich. Dafür, dass sich dies nicht ändert, machte er die Ärztekammer verantwortlich, denn diese beharre auf das 1:1-Verhältnis von Fachärzten zu Auszubildenden. Auf Frage der FPÖ, was man dagegen tun sollte, meinte er: “Besetzen Sie das Büro von Präsident (Walter, Anm.) Dorner.” Auch einen Besuch beim zuständigen Ärztekammer-Juristen empfahl Friedrich den Abgeordneten.

Grüne und ÖVP sahen sich durch die Aussage in ihrer Kritik bestätigt. Friedrich habe ein “Sittenbild des Versprechens und Nichteinhaltens” gezeichnet, meinte VP-Gemeinderätin Ingrid Korosec. “Die Stadtregierung hat die Mangelversorgung der Kinder jahrzehntelang hingenommen”, kritisierte Pilz.

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