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Psychiater, Poet, Politiker - Kriegsverbrecher?

Jahrelang war er untergetaucht. Manche Landsleute hielten ihn für tot. Ab Montag steht er vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien in Den Haag vor Gericht. Die Anklage gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic lautet auf Völkermord, Verschwörung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Dem gelernten Psychiater droht lebenslange Haft.

Der im Juni 1945 in einem Dorf nahe der montenegrinischen Gemeinde Savnik geborene Karadzic studierte in Sarajevo Medizin. Sein Vater Vuk soll Mitglied der nationalistischen, königstreuen serbischen Tschetniks gewesen sein, der Sohn war in der Jugend allerdings ein treuer Anhänger des damaligen kommunistischen jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito, dem er in den 70er Jahren auch eines seiner Gedichte widmete.

Nach Abschluss des Medizinstudiums arbeitete Karadzic zunächst als Psychiater in einem städtischen Krankenhaus in Sarajevo, bevor er 1983 eine Zeitlang auch die Mannschaft des Fußballclubs Roter Stern Belgrad psychologisch betreute. Seine Familie – Ehefrau Ljiljana Zelen und die Kinder Sonja und Aleksandar – blieb allerdings in der bosnischen Hauptstadt.

Der Aufenthalt Karadzics in Belgrad war mit Vorwürfen wegen Geldmachenschaften in Sarajevo verbunden. Er wurde im November 1984 festgenommen, allerdings aus Mangel an Beweisen elf Monate später wieder freigelassen. Im September 1985 wurde er in Sarajevo zu drei Jahren Haft verurteilt. Ins Gefängnis kam er jedoch nicht.

Karadzic setzte seine ärztliche Tätigkeit bis 1987 in Belgrad fort und kehrte dann nach Sarajevo zurück. In die Politik ging der Mediziner Ende 1989, als er die nationalistische Serbische Demokratische Partei (SDS) gründete und im Juli 1990 ihren Vorsitz übernahm.

Nach der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas im April 1992 organisierte Karadzic mit Hilfe des damaligen Belgrader Regimes von Slobodan Milosevic den Krieg bosnisch-serbischer Einheiten der von ihm wenige Monate zuvor gegründeten Republika Srpska (RS) gegen bosniakische (muslimische) Regierungstruppen. Er blieb bis Sommer 1996 an der Spitze der bosnisch-serbischen Republik.

Sein Rücktritt wurde immer wieder mit einem geheimen Deal mit dem damaligen US-Balkan-Beauftragten Richard Holbrooke in Verbindung gebracht. Holbrooke hat jedoch wiederholt bestritten, Karadzic Straffreiheit versprochen zu haben, sollte er jedes öffentliche Amt aufgeben.

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal erhob im Juli 1995 gegen Karadzic und seinen Militärkommandanten Mladic eine erste Anklage. Ihnen wurden in 16 Anklagepunkten Völkermord in der bosnischen Enklave Srebrenica, wo von Truppen der bosnischen Serben im Sommer 1995 etwa 8.000 muslimische Bewohner ermordet worden waren, und andere Verbrechen auf dem Gebiet unter der Kontrolle der bosnischen Serben angelastet. Wenige Monate später wurde die Anklage erweitert. Karadzic wurde gemeinsam mit Mladic in 20 Anklagepunkten des Völkermordes und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt.

Karadzic hatte am 30. Juni 1996 seine Befugnisse des bosnisch-serbischen Präsidenten auf seine damalige enge Mitarbeiterin Biljana Plavsic übertragen. Sie selbst wurde später vom UNO-Tribunal zu einer elfjährigen Haftstrafe verurteilt. Kurz danach tauchte er unter. Geheimdienstinformationen zufolge bewegte er sich zumeist im Grenzgebiet zwischen Ostbosnien und Montenegro. Eine Zeitlang wurde er auch in Russland vermutet. Immer wieder gab es Gerüchte, dass sich Karadzic in serbisch-orthodoxen Klöstern, vor allem in Montenegro, verstecke. Die serbische Kirche wies dies zurück.

In den Jahren vor seiner Festnahme widmete sich der Haager Angeklagte erneut seiner Jugendliebe: Seit 2002 wurden mehrere seiner Romane, Gedichtsammlungen, aber auch ein Kinderbuch herausgegeben.

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