Prozess wegen Selbstmordversuchs in Salzburger Seniorenheim

Ein Selbstmordversuch einer 73-jährigen Pensionistin am 6. Dezember 2009 in einem Seniorenheim in der Stadt Salzburg hat heute, Donnerstag, am Salzburger Landesgericht zu einem Prozess wegen "unterlassener Hilfeleistung" geführt.

Eine anwesende Diplomkrankenschwester (48) und ein herbeigerufener Diözesanpriester (54) hätten es verabsäumt, sofort einen Arzt zu verständigen, lautete der Vorwurf der Bezirksanwältin. Doch beide Angeklagten beteuerten ihre Unschuld.

Der Geistliche arbeitete an jenem Abend beim Seelsorge-Notruf der Erzdiözese. Die Krankenschwester habe ihm telefonisch mitgeteilt, dass er zu der lebensmüden Heimbewohnerin kommen solle, schilderte der Geistliche. Bei seiner Ankunft brannten nur 20 kleine “Opferkerzen” im Zimmer, die Pensionistin trug eine schwarze Perücke und lag im Bett. Nach einem Gespräch führte er zur seelischen Stärkung eine Krankensalbung durch. Als zwei Polizisten eintraten, die dem Strafantrag zufolge nicht sogleich verständigt wurden, sagte er zu den Beamten, dass er noch nicht fertig sei. “Das war aber keine Aufforderung, dass sie hinausgehen.”

Die zahlreichen Schnittwunden, die sich die Frau mit einem Messer am Körper zugefügt hatte, die Blutflecken am Nachthemd, an der Bettdecke und auf dem Teppich seien ihm nicht aufgefallen, sagte der Angeklagte. “Ich sah eine Wunde am Hals, die blutete aber nicht. Es ist auch nicht meine Aufgabe festzustellen, wo die Patientin verwundet ist.” Er schaue auch deshalb nie genau hin, weil er bei Blut schnell kollabiere, erklärte der “Notruf”-Priester. “Eine Tatwaffe sah ich nicht. Ich nahm ihr aber eine lange Stricknadel weg.”

Warum er nicht die Rettung verständigt hatte? “Als ich angekommen bin, hat mir die Krankenschwester gesagt, dass es ein Selbstmordversuch war und sie bereits die Polizei verständigt hat. Ich habe angenommen, dass die alles in die Wege leiten. Deshalb bin ich meiner Arbeit nachgegangen”, sagte der Priester. Die Polizisten alarmierten die Rettung, die Verletzte wurde mit Schnittwunden an Armen, Beinen und am Hals ins Spital gebracht. Die Rollstuhlfahrerin kehrte später wieder ins Heim zurück.

Die Krankenschwester fühlte sich ebenfalls nicht schuldig. “Ich wollte für die Pensionistin das Beste und habe gemacht, was mir in diesem Fall als richtig erschienen ist”, erklärte sie Bezirksrichterin Christa Grund. Die Richterin vernahm im Laufe des Nachmittags noch einige Zeugen. Ob heute ein Urteil ergeht, steht noch nicht fest. Gegen die beiden Beschuldigten war anfangs auch wegen des Verdachtes der Mitwirkung am Selbstmord ermittelt worden. Die Justiz ließ diesen Tatverdacht jedoch fallen.

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