Prozess wegen Anlagebetrug: Rund 2,2 Millionen Euro Schaden

Der Angeklagte muss sich wegen Anlagebetrugs verantworten.
Der Angeklagte muss sich wegen Anlagebetrugs verantworten. ©bilderbox.com (Sujet)
Am Dienstag musste sich ein 71-Jähriger wegen Anlagebetrugs mit einem Schaden von rund 2,2 Millionen Euro am Wiener Landesgericht verantworten. Er hatte Kapitalmarktregeln umgangen, indem er seine gutgläubigen Geldgeber in einem Verein "Zukunft Neu" sammelte.

“Die Sache klang zu gut, um wahr zu sein”, brachte es Staatsanwalt Leopold Bien auf den Punkt: Zwölf Prozent garantierte und 16 Prozent in Aussicht gestellte Zinsen sowie eine Bankgarantie über das Kapital und die Zinsen. Auch heutzutage findet man offenbar immer noch Geldgeber, die derartige Gewinnversprechungen für bare Münze nehmen.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass in die “Clearwater Mining Corporation” investiert werden sollte, die angeblich in Südamerika nach Edelsteinen und Gold schürfte.

Prozess wegen Anlagebetrugs in Wien

Zwischengeschaltet war eine englische Gesellschaft, die “Kent & Partners Limited”. “Bei ‘Limited’ muss man vorsichtig sein, denn das heißt zumeist, dass dies eine Kapitalgesellschaft mit null Kapital ist”, meinte Bien. Diese Gesellschaft fand im Angeklagten einen Partner in Österreich.

Dieser stand bereits wegen Hehlerei und eines Verstoßes gegen das Kapitalmarktgesetz vor Gericht, seine ÖBB-Pension war gepfändet, dennoch fühlte er sich nach eigenen Aussagen unausgelastet.

Kurzerhand gründete der Angeklagte 2007 einen Verein mit dem langen Namen “Verein zur Förderung des persönlichen Lebensstandards und Wohlbefindens der Mitglieder – Zukunft Neu”. Einziges Ziel: Entgegen den Bestimmungen des Kapitalmarktgesetzes Gelder der Mitglieder zu veranlagen. Davon war in den Statuten nichts zu lesen, vielmehr waren die Aktivitäten “nicht auf Gewinn ausgerichtet” – was sich leider tatsächlich bewahrheitete.

Selbstbereicherung durch Verein “Zukunft neu”

“Kent & Partners” waren nämlich laut Staatsanwalt noch größere Fische im Teich der Anlagebetrüger und steckten das Geld in die eigene Tasche – nämlich etwa 1,1 Millionen Euro. Etwa ebenso viel soll der 71-Jährige veruntreut, 673.000 Euro davon sogar in bar behoben haben.

Dies wurde vom Beschuldigten zurückgewiesen: Er hätte alles an “Kent & Partners” überwiesen, an das Geschäftsmodell und die – letztlich gefälschten – Bankgarantien geglaubt und nichts für seine Tätigkeit bekommen. Falls alles gut gegangen wäre, hätte er ein bis zwei Prozent als Belohnung erhalten.

Prozess voraussichtlich vertagt

2008 war die Finanzmarktaufsicht schließlich auf den Verein aufmerksam geworden, im Jahr darauf wurde eine Investorenwarnung veröffentlicht und darauf hingewiesen, dass dieser keine Fremdgelder zur Verwaltung übernehmen dürfe. Auch nach diesem Zeitpunkt vereinbarte der 71-Jährige noch eine Weiterveranlagung.

Nach der Einvernahme des Angeklagten war noch die Vernehmung einiger Geschädigter vorgesehen. Angesichts der großen Zahl der geprellten Anleger war fix mit einer Vertagung zu rechnen.

(APA/Red)

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