Prozess um Wiener OPEC-Attentat in Frankfurt: Hans-Joachim Klein sagt vor Gericht aus

D deutsche Ex-Terroristen Hans-Joachim Klein, rechts auf einem Fahndungsbild von 1975.
D deutsche Ex-Terroristen Hans-Joachim Klein, rechts auf einem Fahndungsbild von 1975. ©dpa
Der frühere Terrorist Hans-Joachim Klein ist am Freitag als Zeuge vor einem Frankfurter Gericht erschienen. Der 65-Jährige sagte im Prozess um den blutigen Anschlag auf die Wiener OPEC-Konferenz 1975 und andere Attentate der Terrorgruppe "Revolutionäre Zellen" (RZ) aus.
Terror-Prozess in Frankfurt

Klein selbst war wegen des Anschlags auf die Organisation Erdöl exportierender Länder verurteilt worden, in dem damaligen Prozess hatte er die jetzt angeklagte Sonja Suder (80) schwer belastet. Er gilt daher als Schlüsselzeuge.

Suder wird unter anderem dreifacher Mord vorgeworfen. Sie soll bei den Vorbereitungen für den Anschlag auf die Ölministerkonferenz, bei dem sie selbst nicht dabei war, geholfen haben.

Als Klein, der sich kurz nach dem Anschlag vom Terrorismus losgesagt hatte, seine Zeugenaussage begann, wurde es im voll besetzten Zuschauerraum des Gerichts laut, Worte wie “Schwein” und “Denunziant” waren zu hören. Schon nach wenigen Sätzen unterbrach das Landgericht die Vernehmung wieder für eine Pause. Klein sollte später weiter aussagen.

Weil der mitangeklagte Christian Gauger (71) gesundheitlich angeschlagen ist, kann das Gericht nur eingeschränkt verhandeln. Gauger selbst ist nicht wegen des OPEC-Attentats angeklagt, sondern wegen Beteiligung an drei Brandanschlägen in den 70er Jahren.

Hans-Joachim Klein sagt vor Gericht aus

Klein wurde 2001 wegen Mordes zu neun Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe wurde nach fünf Jahren Haft Ende 2003 zunächst zur Bewährung ausgesetzt. Seitdem lebte Klein wieder in der Normandie, wo er sich schon vor der Festnahme rund 20 Jahre lang versteckt hatte. 2009 wurde er begnadigt.

In Frankfurt und auch nach seinem Untertauchen hatte Klein engen Kontakt zum heutigen, grünen EU-Parlamentarier Daniel Cohn-Bendit. In seinem Prozess sagte der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) als Zeuge aus.

Bei dem Überfall auf die OPEC-Konferenz am 21. Dezember in Wien waren Dutzende Menschen als Geiseln genommen und nach Algerien entführt worden, darunter mehrere Ölminister. Drei Menschen wurden getötet.

Schieß-Kommando bei OPEC-Attentat

Ein aus sechs Personen bestehendes Terrorkommando stürmte zu Mittag die Ministerkonferenz. Angeführt wurden die Terroristen von dem Venezolaner Illich Ramirez Sanchez, alias “Carlos”. Neben drei Palästinensern gehörten die Deutschen Gabriele Kröcher-Tiedemann und Hans-Joachim Klein zu dem Kommando, das bei Widerstand rücksichtslos um sich schoss. Ihren Kugeln fielen ein österreichischer Kriminalbeamter, ein irakischer Leibwächter und ein libyscher Delegierter zum Opfer. Die Terroristen nahmen etwa 70 Geiseln, darunter elf Ölminister der OPEC-Länder, und erzwangen die Verlesung einer antiisraelischen Erklärung im Rundfunk.

Klein stritt ab, selbst eines der Opfer getötet zu haben. Carlos hat hingegen Klein des Mordes an einem anwesenden Iraker beschuldigt. Der libysche Delegierte wurde nach Zeugenaussagen von Carlos selbst erschossen. Kröcher-Tiedemann war der Mord an dem Iraker und an dem österreichischen Polizisten angelastet worden. Sie wurde 1990 in Köln aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden und starb 1995 an Krebs.

Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky traf in der Nacht auf den 22. Dezember nach Beratungen die Entscheidung, das Terrorkommando samt Geiseln ausfliegen zu lassen. Die von Innenminister Otto Rösch per Handschlag verabschiedeten Terroristen ließen die in Österreich wohnhaften Geiseln frei und bestiegen mit den 33 verbliebenen eine bereitgestellte Maschine. Mit an Bord war auch der angeschossene Klein, der zwischenzeitlich in einem Wiener Krankenhaus behandelt und identifiziert worden war.

Er verließ die Maschine bei einer ersten Zwischenlandung in Algier. Dort wurden auch einige Geiseln freigelassen, am nächsten Zielort Tripolis kamen dann die Ölminister Algeriens und Libyens frei. Erneut landete die DC-9 am 23. Dezember in Algier, wo die beiden letzten Geiseln, der saudiarabische und der iranische Erdölminister, freigelassen wurden, vermutlich gegen Zahlung eines sehr hohen Lösegeldes. Carlos soll nach Kleins Aussagen ursprünglich die “Hinrichtung” dieser beiden Minister geplant haben.

(APA)

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