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Prozess um "verlangten Mord" in Korneuburg

Wegen Mordes ist am Montag ein 36-jähriger Weinviertler vor Geschworenen am Landesgericht Korneuburg gestanden. Laut Anklage hatte er im Oktober 2008 einen Freund (38) in Bad Pirawarth (Bezirk Gänserndorf) auf dessen Verlangen durch zwei Schüsse in Brust und Kopf getötet. Der Mann gab eingangs mit tränenerstickter Stimme zu, geschossen zu haben, bekannte sich aber nicht des Mordes schuldig: "Ich hab' ihm nur geholfen", schluchzte er.

Die Anklage lautete weiters auf Versicherungsmissbrauch und unbefugten Waffenbesitz. Dem Staatsanwalt zufolge kannten die beiden einander etwa zwei Jahre. Das spätere Opfer litt an einer chronischen Darmerkrankung, die aber nicht lebensbedrohlich gewesen sei. Der Trafikant hatte wegen Spielsucht (Glücksspiel) rund 220.000 Euro Schulden, allerdings auch eine hohe Lebensversicherung. Im September löste er einen Waffenschein und kaufte sich eine Glock. Bei einem Treffen im Oktober erzählte der 38-Jährige dann dem Beschuldigten von unheilbarer Krankheit, seinen finanziellen Problemen und Selbstmordabsichten. Er bat den damals 35-Jährigen, ihn zu erschießen, da er das wegen der Selbstmordklausel in der Lebensversicherung nicht selbst tun könne. Dafür versprach er dem Freund u.a. seine zwei Pkw, Schmuck, Handy, Bargeld und etliche Stangen Zigaretten.

Der Staatsanwaltschaft zufolge trafen die beiden Männer einander am folgenden Abend in Gerasdorf, von wo sie dann zu einem Weingarten in Bad Pirawarth (Bezirk Gänserndorf) fuhren. Dort habe der Angeklagte die versprochenen Gegenstände entgegengenommen und die Kaufverträge für die Fahrzeuge unterschrieben. Der Lebensmüde erklärte seinem Freund die Waffe und forderte ihn auf, einen Probeschuss abzugeben. Dann sollte er auf seine Brust zielen und abdrücken, wenn ein Lkw vorbeifuhr. Der Angeklagte feuerte aus eineinhalb Metern Entfernung, das Opfer stürzte röchelnd zu Boden, worauf er noch einen Kopfschuss aus etwa 20 Zentimetern Entfernung abgab und anschließend wegfuhr. Dem Sterbenden gelang es noch, sich in seinen Wagen zu schleppen und wegzufahren. Nach 150 Metern blieb das Auto im Weingarten hängen – der 38-Jährige wurde später von einem Winzer rund 20 Meter vom Pkw entfernt tot aufgefunden.

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