Prozess um Messerstecherei am Dom in Wiener Neustadt

Eigentlich hatten sich die beiden Streitenden schon wieder versöhnt, als einer der beiden mit einem Messer zustach.
Eigentlich hatten sich die beiden Streitenden schon wieder versöhnt, als einer der beiden mit einem Messer zustach. ©APA
Am Donnerstag begann am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um eine Messerstecherei im Dezember 2011. Zwei streitende Männer wurden von der Polizei getrennt und trafen später am Domplatz aufeinander. Obwol sie sich bereits versöhnt hatten, stach einer der beiden zu. Er habe aber "keinen Tötungsvorsatz" gehabt, so der Angeklagte.

Eine an sich belanglose Auseinandersetzung zwischen zwei jungen Männern, die letztlich aber beinahe tödlich ausgegangen wäre, war am Donnerstag Gegenstand eines Mordversuchsprozesses im Landesgericht Wiener Neustadt.

Ein 20-Jähriger hatte in den Morgenstunden des 11. Dezember 2011 am Neustädter Domplatz einen 22-Jährigen sechsmal mit einem Fixiermesser attackiert. Der Schwerverletzte überlebte laut Staatsanwalt “nur durch Zufall und dank moderner Intensivmedizin”.

Versöhnung nach Einschreiten der Polizei

In der berühmt-berüchtigten Lokalmeile der Stadt waren die beiden das erste Mal auf einander getroffen. Gegen 4.00 Uhr trat das spätere Opfer dem 20-Jährigen gebürtigen Ungar versehentlich auf die Füße. Der warf ihm eine Zigarette an den Kopf und setzte mit einem Fausthieb nach. Der Streit verlagerte sich vor das Lokal, die Polizei wurde gerufen – und die zwei Kontrahenten versöhnten sich. “Wir haben uns die Hand gegeben”, erinnerte sich das Opfer heute im Zeugenstand.

Am Domplatz kam es zur Messerstecherei

Beide Männer zogen dann – vermeintlich beruhigt – in andere Richtungen los, trafen aber etwas später in der Nähe des Domplatzes wieder zufällig aufeinander. Was dabei passierte, darüber hörte man im Prozess zwei unterschiedliche Versionen. Die des Opfers: “Wir sind aufeinander zu. Plötzlich ist es mir in der Brustgegend ziemlich warm geworden. Ich habe geglaubt, der andere hat mir in den Bauch gehaut. Ich habe ihn weggestoßen und bin davong’rennt.”

Vor dem Eingang eines Lokals brach der junge Mann – mit sechs Stichen im Kopf-, Brust- und Rückenbereich – zusammen. Zwei im Lokal anwesende Sanitäter leisteten Erste Hilfe.

Angeklagter habe sich verteidigen wollen

Die Schilderung des Angeklagten (verteidigt vom Wiener Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz) lautete konträr: Die Aggression wäre nicht von ihm, sondern vom Opfer ausgegangen. Der 22-Jährige hätte ihn, den Angeklagten, “in den Schwitzkasten genommen” und mit Schlägen traktiert. “Das war bedrohlich. Ich war in Panik, habe mich zur Wehr gesetzt.” Deshalb habe er das in der Hosentasche mitgeführte Messer aufgeklappt und zugestochen. “Ich habe versucht, ihn zu verletzen, damit er von mir ablässt.” Aber einen Tötungsvorsatz habe er nicht gehabt, so der Angeklagte.

Das Urteil wird für den späten Donnerstagnachmittag erwartet. (APA)

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